Die Jugendfarm Riedenberg blickt trotz drastischer Sparvorgaben der Stadt Stuttgart optimistischer auf die kommenden zwei Jahre. Ein anonymer Spender gleicht die aktuellen Kürzungen für die Stuttgarter Jugendfarmen und Aktivspielplätze mit über einer Million Euro aus. Für die Einrichtung in Riedenberg bedeutet dies eine Atempause, doch ab 2028 drohen existenzbedrohende Einschnitte.
Drastische Kürzungen durch das Jugendamt angekündigt
Die finanzielle Lage der offenen Kinder- und Jugendhilfe im Stuttgarter Stadtbezirk Sillenbuch ist angespannt. Zum Jahresbeginn 2026 traten Kürzungen des Stuttgarter Jugendamtes in Kraft, die sich bei den Personalkosten und Betriebsmitteln zunächst auf 5 Prozent belaufen. Ab dem Jahr 2027 soll die Förderung um 10 Prozent sinken. Für das Jahr 2028 stehen laut dem Verein Jugendfarm Riedenberg e.V. weitere Einsparungen von bis zu 20 Prozent im Raum.
Obwohl die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt von beiden Seiten als vertrauensvoll, konstruktiv und von gegenseitiger Wertschätzung geprägt beschrieben wird, zwingt die veränderte Finanzsituation die Verantwortlichen zum Handeln. Das oberste Ziel des Vereins bleibt es, die Auswirkungen für die jungen Besucher so gering wie möglich zu halten und sozialverträgliche Lösungen zu finden.

Notfallplan sieht drastische Einschnitte im Angebot vor
Sollten die angekündigten Kürzungen dauerhaft greifen, hat die Jugendfarm bereits einen Maßnahmenkatalog vorbereitet. Dieser würde das Angebot im Osten des Filderraums massiv einschränken:
- Der offene Bereich der Jugendfarm müsste an einem Tag pro Woche geschlossen bleiben.
- Die seit Jahren etablierten Ferienfreizeiten müssten ersatzlos gestrichen werden.
- Die beliebten spezifischen Mädchen- und Jungentage könnten nicht mehr stattfinden.
- Aus Kostengründen müsste die Einrichtung auf die Ausbildung von Nachwuchskräften verzichten.
Anonymer Großspender sorgt für zweijährige Atempause
Eine überraschende Wendung bringt nun vorerst Entlastung für die insgesamt 22 Jugendfarmen und Aktivspielplätze im Stuttgarter Stadtgebiet. Ein anonymer Spender hat über den Jugendhilfeausschuss Kontakt aufgenommen und eine Summe von knapp über einer Million Euro zur Verfügung gestellt.
Diese Großspende gleicht die entstandene Finanzierungslücke bei den Personal- und Betriebskosten für die Jahre 2026 und 2027 vollständig aus. Der Betrieb kann in diesem Zeitraum wie gewohnt fortgeführt werden. „Wir sind sehr dankbar und glücklich über die großartige Spende“, betont Vorstandsmitglied Markus Dinkelacker für den Verein. Für die Verantwortlichen in Riedenberg ist dies ein wertvolles Zeitgeschenk, um die langfristige Zukunft der Einrichtung zu planen. Der Verein äußert große Dankbarkeit für dieses zivilgesellschaftliche Engagement, das auch als Anerkennung der pädagogischen Arbeit verstanden wird.
Existenzbedrohung ab 2028 bei Kürzungen nach dem „Rasenmäherprinzip“
Trotz der aktuellen Entlastung bleibt der Blick auf das Jahr 2028 von großer Sorge geprägt. Die im Raum stehenden Kürzungen von rund 20 Prozent könnten viele der Stuttgarter Einrichtungen in ihrer Existenz bedrohen. Da zahlreiche Jugendfarmen und Aktivspielplätze lediglich über zwei bewilligte Personalstellen verfügen – was die Mindestvoraussetzung für einen sicheren und beaufsichtigten Betrieb darstellt –, würden weitere Etatkürzungen die Schließung mangels Personals bedeuten.
Seit über 50 Jahren ein fester Pfeiler in Riedenberg
Die Jugendfarm Riedenberg wurde 1973 gegründet und ist seit mehr als fünf Jahrzehnten eine feste Institution für Familien und Kinder im Stadtbezirk Sillenbuch sowie den angrenzenden Filder-Gemeinden. Im Durchschnitt nutzen täglich 42 Besucher das Angebot im Stadtteil.
Neben den Personalkosten stellt die Haltung von Ponys, Schafen, Ziegen, Kaninchen und Katzen einen der größten Kostenfaktoren auf dem Gelände dar. Einsparungen in diesem Bereich schließt der Verein jedoch kategorisch aus, da die Tiere das Herzstück der pädagogischen Arbeit bilden. Im Umgang mit ihnen lernen die Kinder praxisnah Verantwortung und Verlässlichkeit. Zudem zeigt die Erfahrung der Pädagogen vor Ort, dass insbesondere Kinder mit sozialen oder emotionalen Entwicklungsdefiziten im direkten Kontakt mit den Tieren an Selbstwertgefühl und sozialer Kompetenz gewinnen.
Der ehrenamtliche Vorstand und die Mitarbeiter kündigten an, entschlossen für den langfristigen Erhalt und die Finanzierung der Einrichtung zu kämpfen. Das Recht auf Spiel, Freizeit und Erholung sei kein Luxus, sondern ein verbrieftes Kinderrecht.
Quelle: Pressemitteilung der Jugendfarm Riedenberg e.V.

