Fahrgeldeinnahmen sichern die Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs – VVS-weite Prüfaktion soll auf die Folgen des Schwarzfahrens aufmerksam machen
Mehr als 350 Millionen Fahrgäste nutzen jedes Jahr die Busse und Bahnen im Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS). Rund 2,6 Prozent davon, also mehr als 900.000 Fahrgäste, waren im Jahr 2025 ohne gültiges Ticket unterwegs. Um auf die Folgen des Fahrens ohne gültiges Ticket aufmerksam zu machen, haben die Prüfdienste von SSB, DB Regio und der regionalen Busunternehmen im VVS am vergangenen Freitag zeitgleich eine Fahrausweisprüfung durchgeführt. Zahlreiche Fahrausweisprüferinnen und -prüfer waren parallel in S-Bahnen, Stadtbahnen und Bussen unterwegs. Dabei wurden 4923 Fahrgäste um ihren Fahrausweis gebeten und 128 Personen festgestellt, die ohne gültigen Fahrschein mit öffentlichen Verkehrsmitteln fuhren. Das entspricht einem Anteil von 2,6 Prozent.
Den Verkehrsunternehmen im VVS entgehen jährlich mehr als 15 Millionen Euro an Fahrgeldeinnahmen durch Fahren ohne Fahrausweis. Regelmäßige Fahrausweisprüfungen tragen dazu bei, diese Einnahmen der Verkehrsunternehmen zu sichern. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs. „Mit der gemeinsamen Prüfaktion möchten wir das Bewusstsein dafür stärken, dass ein funktionierender öffentlicher Nahverkehr auf Solidarität und verlässlichen Einnahmen basiert. Fahrgeldeinnahmen sind ein wichtiger Baustein für den Betrieb und tragen dazu bei, das Angebot in Umfang und Qualität langfristig zu sichern“, sagt VVS-Geschäftsführerin Cornelia Christian.
Bei der gemeinsamen Prüfaktion musste in fünf Fällen die Polizei hinzugerufen werden, zweimal kam es zu Übergriffen auf Prüfpersonal der S-Bahn. „Es macht fassungslos, mit welcher Gewalt unsere Mitarbeitenden bei ihrer täglichen Arbeit konfrontiert werden. Jeder Übergriff ist einer zu viel – wir stehen als Unternehmen geschlossen hinter unseren Teams und fordern von allen Fahrgästen Respekt und Rücksicht. Es darf nicht sein, dass der Einsatz für ein faires Miteinander mit Angst und Gefahr verbunden ist,“ sagt Nina Hutwagner, Vorsitzende der Geschäftsleitung der S-Bahn Stuttgart.
Das Fahren ohne gültigen Fahrschein ist kein Kavaliersdelikt. Je nach Sachverhalt handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit oder um das Erschleichen von Leistungen nach Paragraf 265a des Strafgesetzbuchs. Hierfür sieht der Gesetzgeber Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr vor. Unabhängig davon ist in der Regel ein erhöhtes Beförderungsentgelt von 60 Euro zu bezahlen.
Der aktuell in Teilen der Politik diskutierten Entkriminalisierung des Schwarzfahrens steht der VVS kritisch gegenüber. „Einnahmen, die durch Schwarzfahren verlorengehen, fehlen an anderer Stelle. Eine Bagatellisierung des Schwarzfahrens sendet ein falsches Signal an die vielen Fahrgäste, die ihre Fahrten ordnungsgemäß bezahlen“, sagt Cornelia Christian. Die konsequente Ahndung des Schwarzfahrens sei daher nicht nur eine Frage der Finanzierung, sondern auch der Fairness gegenüber den zahlenden Fahrgästen.

