Mit Beginn des finalen Bauabschnitts der Netze BW in der Ruiter Straße ist Scharnhausen seit dieser Woche für den Durchgangsverkehr gesperrt. In einer aktuellen Stellungnahme erläutert die Stadtverwaltung Ostfildern nun die fachlichen Gründe, warum alternative Routen über den Rathausplatz verworfen wurden und wie das Abstimmungsverfahren mit dem Netzbetreiber abläuft.
Ostfildern-Scharnhausen. Seit dem 30. März ist die zentrale Nord-Süd-Verbindung in Scharnhausen faktisch unterbrochen. Die Ruiter Straße ist im Bereich zwischen der Raiffeisenstraße und dem Feuerwehrhaus voll gesperrt. Während die Netze BW hier den Abschluss ihrer Leitungsarbeiten vorantreibt, stellt die Sperrung die lokale Verkehrsführung vor große Herausforderungen.
Fachliche Absage an Umleitung über den Rathausplatz
Auf Anfrage zu möglichen Entlastungsrouten stellte die Stadtverwaltung klar, dass eine temporäre Freigabe des Rathausplatzes für den allgemeinen Durchgangsverkehr nach intensiver Prüfung ausgeschlossen wurde. Die Gründe hierfür seien vielfältig: Zum einen sei der Platz baulich nicht für die zu erwartende Verkehrsmenge ausgelegt.
Zum anderen würde eine Öffnung des Platzes unweigerlich dazu führen, dass der Verkehr in die angrenzenden Nebenstraßen wie die Raiffeisen- und Gartenstraße abfließt. Diese Straßenzüge sind laut Stadtverwaltung jedoch „sehr schmal“ und weisen „geringe Kurvenradien“ auf. Da diese Strecken bereits als Ausweichrouten für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sowie für Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr reserviert sind, würde eine zusätzliche Belastung durch den Individualverkehr das Risiko von Staus bis hin zum vollständigen Stillstand massiv erhöhen. Die Sicherstellung der Rettungswege habe hier oberste Priorität.
Verfahrensabläufe und Mitspracherecht
Hinsichtlich der Planung und Etappierung der Baustelle verdeutlichte die Stadt die formellen Abläufe. Das Verfahren sieht vor, dass die Netze BW die Verwaltung über anstehende Maßnahmen unterrichtet. Ein Mitspracherecht der Bürgerschaft bei der zeitlichen Gestaltung oder den Bauabschnitten ist dabei nicht vorgesehen.
Die Stadt begründet dieses Vorgehen mit der notwendigen Effizienz bei sicherheitsrelevanten Themen wie der Energieversorgung. Eine breitere Einbindung würde die Abläufe „erheblich verzögern“, weshalb die Verwaltung in diesem Prozess primär eine informierende Funktion einnimmt.
Auswirkungen auf die Infrastruktur bis Mai
Die Einschränkungen werden voraussichtlich bis Ende Mai 2026 andauern. Besonders betroffen ist neben den Autofahrern der Busverkehr:
- Linie 73: Umleitung bis zum 8. Mai; die Halte Rathaus und Plieninger Straße entfallen. Als Ersatz dient die Haltestelle Plieninger Straße (Nord) in der Siemensstraße.
- Linie 816: Nutzt eine Ersatzhaltestelle in der Gartenstraße.
- Linien 120/122: Bedienen weiterhin den Rathausplatz.
Die Stadtverwaltung bittet die Verkehrsteilnehmer um Verständnis für die Maßnahme, die zur langfristigen Sicherung der lokalen Netzinfrastruktur unumgänglich sei.
