Gesundheitsamt Stuttgart warnt vor Tigermücke
Malaria am Flughafen: Amt rät zu Mückenschutz
Nach Infektionen rund um den Frankfurter Flughafen erklärt ein Experte des Stuttgarter Gesundheitsamts, warum Reiserückkehrer sich noch drei Wochen daheim vor Stichen schützen sollten – und wie jeder Brutstätten im Garten trockenlegt.
Am Frankfurter Flughafen haben sich Beschäftigte und Anwohner mit Malaria angesteckt – ohne je in den Tropen gewesen zu sein. Das Gesundheitsamt der Landeshauptstadt Stuttgart nimmt die Fälle zum Anlass, an den Mückenschutz nach dem Urlaub zu erinnern. Dr. Simon Friz aus der Abteilung Infektionsschutz und Umwelthygiene erklärt in einem Interview, wie so etwas im gemäßigten Klima überhaupt möglich ist.
Hinter dem Begriff „Flughafen-Malaria“ stecke reguläre Malaria, sagt Friz – übertragen allerdings in Deutschland. Möglich werde das, wenn Mücken als blinde Passagiere in Flugzeugen aus den Tropen mitreisen und unterwegs oder am Zielort stechen. Solche Fälle seien extrem selten, weil zwei Bedingungen zusammentreffen müssen: Eine Mücke muss den Erreger bei einem infizierten Menschen aufnehmen, und es muss die passende Mückenart sein. Malaria überträgt die Anophelesmücke, Krankheiten wie Dengue, Chikungunya oder Zika die Asiatische Tigermücke.
Für die Region bedeutsamer ist eine dritte Variante: Anophelesmücken kommen auch in Deutschland vor, und die Asiatische Tigermücke breitet sich im Süden Deutschlands und in Teilen Stuttgarts aus. Sticht eine hier geschlüpfte Mücke einen Reiserückkehrer, der sich im Ausland infiziert hat, kann sie den Erreger aufnehmen und später weitergeben – weit entfernt von jedem Flughafen. Das Risiko ist derzeit gering, wächst aber mit der Ausbreitung der Tigermücke.
Der Rat des Gesundheitsamts lautet deshalb: Mückenschutz in drei Phasen. Am Urlaubsort achten die meisten darauf, auf der Rückreise in Flugzeug, Auto oder Schiff schon deutlich weniger – und kaum jemand denkt daran, den Schutz nach der Heimkehr noch rund drei Wochen fortzusetzen. Genau das sei wichtig, weil viele von der Tigermücke übertragene Krankheiten häufig symptomlos oder mild verlaufen. Wer nichts merkt, kann andere im Umfeld dennoch indirekt anstecken. Wirksam sind Sprays mit DEET oder Icaridin, lockere lange helle Kleidung und Mückennetze an Fenstern und Türen.
Der zweite Baustein ist, die Ausbreitung der Tigermücke selbst zu bremsen – und dabei kommt es laut Gesundheitsamt vor allem auf die Bevölkerung an. Entscheidend ist, stehendes Wasser im Garten und auf dem Balkon regelmäßig zu kontrollieren: Überflüssige Gefäße wegräumen oder überdacht lagern, Vogel- und Igeltränken mindestens einmal pro Woche komplett leeren und neu befüllen, Regentonnen lückenlos mit Deckel oder engmaschigem Netz verschließen.
Häufig übersehen werden gerade die kleinen Behälter: Gießkannen, Blumentopfuntersetzer, Eimer, Schubkarren, Planen, Kinderspielzeug, dazu verstopfte Regenabläufe, Zisternen und Gullys. Auch scheinbar trockene Gefäße sind nicht harmlos, denn die Tigermücke legt ihre Eier oberhalb der Wasserlinie am Gefäßrand ab. Die Eier überstehen Trockenheit und die Larven schlüpfen, sobald Regen den Wasserstand hebt. Wo sich Brutstätten nicht vermeiden lassen, kann – außerhalb von Gartenteichen, Bächen und naturnahen Gewässern – zusätzlich der biologische Wirkstoff Bti eingesetzt werden.
Quelle: Medieninformation der Landeshauptstadt Stuttgart vom 18. September 2026