Die Sommerferien beginnen mitten in der Hochsaison der Asiatischen Tigermücke. Die Stadt Stuttgart ruft alle – egal, ob sie verreisen oder daheim bleiben – auf, mit einfachen Maßnahmen Stiche und die Ausbreitung der Mückenart zu vermeiden. Denn mit ihrer Zahl steigt das Risiko, dass sie Krankheitserreger übertragen.
Die Sommerferien stehen vor der Tür. Bei vielen Stuttgarter Familien laufen die letzten Urlaubsvorbereitungen. Doch fehlt auf der Checkliste meist noch ein Punkt, der immer wichtiger wird: die Asiatische Tigermücke. Das lästige Insekt sollten aber alle auf dem Zettel haben, rät das Gesundheitsamt der Stadt Stuttgart. Denn die Aedes albopictus summt seit einigen Jahren auch durch Teile der Landeshauptstadt. „Egal, ob man wegfährt oder daheim bleibt, Vorkehrungen müssen alle treffen“, betont Dr. Simon Friz von der Abteilung Infektionsschutz und Umwelthygiene. „Denn die Tigermücke macht keinen Urlaub.“ Für beide Gruppen hält die Stadt Tipps bereit.
Wer an tropische Ziele reist, also die Tigermücke in ihren ursprünglichen Herkunftsregionen besucht, sollte zum einen darauf achten, am Urlaubsort möglichst gar nicht erst gestochen zu werden. Dazu empfiehlt sich, helle, lange und weite Kleidung zu tragen und die bloße Haut mit Mückenspray auf der Basis von Icaridin oder DEET zu schützen. Diese Präparate sind deutlich wirksamer als Produkte mit pflanzlichen Inhaltsstoffen wie Citronella, Lavendel oder Geraniol. Ein Mückennetz über dem Bett und Fliegengitter an den Fenstern helfen zusätzlich, die Insekten fernzuhalten.
Beim Verreisen nicht das Zuhause vergessen
Zum anderen sollte, wer verreist, um den Alltag zu vergessen, sein Zuhause nicht aus dem Blick verlieren. „Wir rufen dazu auf, vor der Abreise den Außenbereich von Wohnung oder Haus tigermückensicher zu machen, um bei der Rückkehr die unangenehme Überraschung einer Tigermückenplage zu vermeiden“, sagt Dr. Friz. „Die aktuell auch bei uns tropischen Bedingungen mit hohen Temperaturen und gelegentlichen Regenfällen sind für die Vermehrung der Tigermücke ideal. Da genügt ihr schon eine Woche, um sich von der Larve zur flugfähigen Mücke zu entwickeln.“
Daher darf auf dem Balkon oder im Garten kein Wasser längere Zeit stehen. Bereits kleinste Ansammlungen in Gießkannen, Blumentopfuntersetzern, Regentonnen oder anderen Gefäßen – selbst in draußen herumliegenden Spielsachen aus Plastik – reichen als Brutstätten aus. Daher gilt es, vor der Abreise den Außenbereich zu kontrollieren und mögliche Brutstätten zu beseitigen oder gegen eine Eiablage abzusichern.
Wer Freunde oder Nachbarn bittet, in der Abwesenheit nach den Haustieren zu schauen oder die Pflanzen zu gießen, sollte sie ebenfalls bitten, Gießkannen und Eimer immer ganz zu leeren, nach Regenfällen alle Gefäße auszugießen oder umzudrehen. Wo Wasser gezielt bereitgestellt wird, wie in Vogel- und Igeltränken oder Trinknäpfen, müssen diese mindestens wöchentlich gereinigt werden. Regentonnen sollte man reinigen und danach mit einem festen Deckel verschließen oder lückenlos mit einem Moskitonetz abdecken.
Einsatz von Bti an unzugänglichen Stellen
Für unzugängliche Außenabflüsse und Hofgullys bietet sich eine Behandlung mit Bti alle zwei Wochen an. Der Wirkstoff aus dem biologisch abbaubaren Eiweiß eines Umweltbakteriums hält das Wasser frei von Mückenlarven, beeinträchtigt dagegen andere Tiere, Menschen und Pflanzen nicht. In den nachweislich betroffenen Stadtbezirken Weilimdorf, Vaihingen und Mühlhausen händigen die Bezirksrathäuser den Anwohnerinnen und Anwohnern Bti-Tabletten in einem Beratungsgespräch aus. Für naturnahe Gartenteiche oder andere belebte Gewässer ist das nicht nötig. Dort regulieren natürliche Fressfeinde wie Amphibien, Fische, Libellenlarven und andere Arten die Mückenpopulation.
Hintergrund: Tigermücke als Krankheitsüberträger
Bislang sind Asiatische Tigermücken hierzulande vor allem lästig: Sie sind stechfreudig, attackieren tagsüber und stechen mehrmals zu. So können sie denen, die daheim urlauben, selbst die schönste Zeit des Jahres verleiden. Zusätzlich haben sie jedoch das Potenzial, Tropenkrankheiten wie Dengue, Chikungunya oder Zika von einem Menschen zum nächsten zu übertragen. Eine Infektion kann auch in Stuttgart erfolgen, wenn eine Tigermücke zuerst bei einem Erkrankten (zum Beispiel einem Reiserückkehrer) Blut saugt und später, nachdem sich das Virus im Mückenkörper vermehrt hat, einen anderen Menschen sticht. Vor einem Jahr wurde aus dem Raum Straßburg erstmals berichtet, dass dort ein Mann am Chikungunya-Fieber erkrankte, ohne zuvor in einem der Verbreitungsgebiete der Krankheit in den Tropen oder Subtropen gewesen zu sein. Daher sind dieselben Mückenschutz-Vorkehrungen wie im Urlaub auch nach der Reise in der ersten Zeit daheim sinnvoll, bis sicher ist, dass man sich im Urlaub nicht unwissentlich angesteckt hat. Denn manche durch Mücken übertragene Krankheiten verlaufen bisweilen zunächst ohne Symptome.
Noch ist hierzulande das Risiko gering, durch ihren Stich an einer Infektionskrankheit zu erkranken. Dieses Risiko nimmt mit der Zahl der Tigermücken allerdings zu. Auch deshalb ist es wichtig, gegen deren Ausbreitung im Raum Stuttgart konsequent vorzugehen. „Für die wichtigsten Maßnahmen, die alle daheim ergreifen können, braucht es nur wenige Minuten pro Woche“, erklärt Dr. Simon Friz, Leiter des Teams Umwelthygiene und Hygienekontrolle: „Die aktive Beteiligung der Bevölkerung ist der wichtigste Baustein, um die Ausbreitung der invasiven Asiatischen Tigermücke in Deutschland effektiv einzudämmen. Daher sind die Maßnahmen besonders erfolgreich, wenn sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger beteiligen.“
Zur Asiatischen Tigermücke hat die Stadt Stuttgart auf ihrer Internetseite eine eigene Rubrik eingerichtet unter: https://www.stuttgart.de/tigermuecke/

