Zwischen Gedenken an Volker Müller, Spott über Blitzer und Kunstrasen-Zuschuss und guten Nachrichten zur REWE-Eröffnung
„S’isch Kirbezeit!“ – Büttel Axel Deutsch eröffnet die Kemnater Kirbe
Trotz kalter Temperaturen kamen am Sonntagvormittag viele Schaulustige in die Kemnater Ortsmitte. Kirbebüttel Axel Deutsch eröffnete die Kemnater Kirbe mit seiner traditionellen Büttelrede auf Schwäbisch – mit einem stillen Moment, viel Witz und einigen Neuigkeiten aus dem Ort.
Pünktlich um 11.15 Uhr am Sonntag, 18. Oktober, schwang Kirbebüttel Axel Deutsch die Glocke. Musikalisch begleitet von der Stadtkapelle begrüßte er zunächst die Gäste, allen voran Oberbürgermeister Christof Bolay, die beiden Pfarrer Ebinger und Alender sowie Vertreter aus Presse und Politik, darunter MdB Dr. David Preisendanz und die Landtagsabgeordneten Andreas Deuschle und Nicolas Fink.
Stilles Gedenken an Volker Müller
Bevor es fröhlich weiterging, wurde es ernst: Der Büttel erinnerte an Volker Müller, den ersten Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Kemnater Vereine (AKV), der am 13. Juni plötzlich und unerwartet verstorben war. Deutsch würdigte ihn als außergewöhnlichen Menschen, dessen ausgleichende und verbindende Art ein Vorbild bleibe. Die Zuhörer gedachten Müller in einer Schweigeminute. Vor dem traditionellen Kirberundgang legten Angehörige, OB Bolay, Vertreter der AKV und der Büttel eine Blume an seinem Grab nieder.
Kaffee in der Bücherei, Klowagen vor der Tür
Mit der Stadtteilbücherei startete der humorvolle Teil: Nach einer Nutzerumfrage wurde dort eine neue Kaffeemaschine angeschafft, die allerdings kaum läuft. Während der Kirbe dürfte die Bücherei ohnehin schwer zu finden sein, denn ihr Eingang wird vom mobilen Toilettenwagen verdeckt.
Neues aus den Kirchengemeinden
Bei der evangelischen Kirchengemeinde gab es bei der Kirchengemeinderatswahl mehr Bewerber als Sitze. Vier der neun Mitglieder sind neu, Vorsitzender ist Harald Link. Auf katholischer Seite führt Pamela Sichel das Gremium. Für das monatliche „Essen für alle“ im evangelischen Gemeindehaus gibt es eine neue Küche mit Herd, Spülstraße und Konvektomat, finanziert über lange gesammelte Spenden. Lothar Hild hatte dafür ehrenamtliche Helfer gewonnen. Besonders beeindruckt zeigte sich der Büttel vom Leseprojekt „Christen und Muslime im Gespräch“, bei dem sich regelmäßig 24 Menschen treffen und gegenseitig Moscheegebet und Gottesdienst besuchen.

Jubiläen auf der Kirbe
Der Förderverein des evangelischen Kindergartens in der Birkacher Straße ist bereits zum 25. Mal auf der Kirbe dabei. Mit dem Projekt „Väter kochen für ihre Kinder“ gibt es Suppe, Krautschupfnudeln und Kirbe-LKW. Weil der Förderverein in Feierlaune ist, übernimmt er außerdem die Kosten für den Wein beim anschließenden Ständerling – wofür sich der Büttel ausdrücklich bedankte.
Die DLRG-Jugend lädt zum fünften Mal zum Entenangeln ein, bei dem jedes Kind gewinnt; die Preise haben Firmen und Geschäfte aus der Umgebung gespendet. Zu Gast ist außerdem „WüHi“, das Hirsch-Maskottchen der württembergischen DLRG-Jugend.
Blitzer, Kunstrasen, REWE und Trinkbrunnen
Mit einem Augenzwinkern nahm Deutsch den geplanten neuen Blitzer am Ortseingang von Ruit her aufs Korn. Dort sei bislang häufig mit 70 oder mehr durch den Ort gefahren worden, nun hat die Verwaltung dem Gemeinderat einen neuen Blitzer vorgeschlagen. Dass es dabei allein um Verkehrssicherheit und nicht um den klammen Haushalt gehe, kommentierte der Büttel trocken. Sein Rat an die Kemnater: langsam fahren, damit die Stadt möglichst wenig Bußgeld einnimmt.
Für Lacher sorgte die Geschichte vom Bundeszuschuss für den Kemnater Kunstrasenplatz: 540.000 Euro, die der Büttel nach einer feuchtfröhlichen Tour durch Kemnater Lokale symbolisch an den OB übergab. Für TV Kemnat und Pfingstweideschule gab er Entwarnung: Die volle Fördersumme fließt in den Bau.
Großen Applaus gab es für eine lang ersehnte Nachricht: Am Donnerstag, 19. November, eröffnet der REWE an der Heumadener Straße, rund fünf Monate früher als geplant. Seit der Schließung des Netto mussten die Kemnater zum Einkaufen nach Ruit, Sillenbuch oder Scharnhausen fahren. Der Dank des Büttels ging an Bauherr K&P Wohnbau.
Auch der neue Trinkbrunnen beim Hirschbrunnen kam zur Sprache. Den Vorschlag, daraus künftig Wein oder Bier fließen zu lassen, ließ der Büttel humorvoll per Handzeichen abstimmen – mit eindeutigem Ergebnis.
Ausblick: 100 Jahre Musikverein Ruit
Schon jetzt warb Deutsch für 2027: Der Musikverein Ruit feiert sein 100-jähriges Bestehen ab Himmelfahrt drei Tage lang auf dem Festplatz Ruit, mit Partyband, Kreismusikfest und Festzelt für 600 Gäste.
Zum Schluss rief der Büttel dazu auf, die Kirbe zu genießen, miteinander zu reden, zu essen und zu trinken und vor allem die Vereine zu unterstützen. Dann hieß es ein letztes Mal: „S’isch Kirbezeit!“