Mit großer Mehrheit – bei einer Gegenstimme – hat der Gemeinderat Ostfildern am 21. Mai 2025 der Ausweitung des Pilotprojekts „Offenburger Modell“ mit dem Malteser Hilfsdienst zugestimmt. Das Modell, das seit September 2024 erfolgreich in der Kita Kunterbunt in Nellingen läuft, soll auf bis zu acht Betreuungsgruppen ausgeweitet und bis Ende 2027 fortgeführt werden. Ziel ist es, in Zeiten des Fachkräftemangels verlässliche Betreuungszeiten zu sichern und Familien zu entlasten.
Das Projekt im Überblick
Das Offenburger Modell ergänzt die pädagogische Betreuung durch ein zweistündiges Spiel- und Betreuungsangebot ab 13:30 Uhr, durchgeführt von geschultem nicht-pädagogischem Personal. Die Malteser übernehmen Organisation, Schulung, Vertragswesen und Begleitung der Kräfte. Die Stadt Ostfildern fördert das Projekt finanziell, Eltern zahlen einen Beitrag entsprechend der Gebührendifferenz. In der Kita Kunterbunt hat sich das Modell als praktikable Lösung erwiesen. Die Ausweitung erfolgt nun schrittweise, zunächst mit einer zweiten Gruppe in der Kita Kinderwelt.
Für die SPD-Fraktion, Stefanie Sekler-Dengler
Die SPD-Fraktion unterstützt die Ausweitung des Projekts ausdrücklich. Das Offenburger Modell trägt dazu bei, Familien eine verlässliche Ganztagsbetreuung zu ermöglichen – auch unter schwierigen Rahmenbedingungen. Dennoch sieht die SPD das Modell als Übergangslösung. Ziel müsse weiterhin sein, ausreichend pädagogisches Fachpersonal zu gewinnen. Neben klassischen Wegen schlägt die SPD unter anderem vor, Fachkräfte mit Migrationshintergrund gezielt zu qualifizieren oder flexiblere Einsatzmodelle zu erproben.
Für die Fraktion Freie Wähler, Corina Raisch
Die Freien Wähler begrüßen die Erweiterung des Modells. Bereits 2020 habe man alternative Betreuungskonzepte gefordert, doch damals sei man mit diesen Ideen gescheitert. Heute zeige sich, wie dringend diese Flexibilität gebraucht wird. Die Erfahrungen mit dem Pilotprojekt seien positiv – das Modell habe die Betreuung in der Kita Kunterbunt stabilisiert. Dass Ostfildern das Konzept nicht früher eingeführt habe, sei bedauerlich – daher der Vorschlag, es künftig als „Ofi-Modell“ zu bezeichnen.
Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Oliver Werner-Blum
Die Grünen erkennen die kurzfristige Entlastung durch das Modell an und stimmen der Vorlage nach intensiver Diskussion mehrheitlich zu. Gleichzeitig betonen sie, dass das Modell kein dauerhafter Ersatz für eine qualifizierte pädagogische Betreuung sein darf. Sie warnen vor einer Abwertung der Facharbeit in Kitas. Die Grünen fordern, die gewonnene Zeit zu nutzen, um wieder auf ein durchgehend pädagogisch begleitetes Ganztagsangebot hinzuarbeiten. Als Impuls schlagen sie ein Hybridmodell vor, bei dem Nicht-Fachkräfte unterstützend im Kita-Alltag mitwirken – jedoch nie alleinverantwortlich betreuen.
Für die FDP-Fraktion, Joachim Werner
Die FDP unterstützt die Vorlage vollumfänglich. Angesichts der angespannten Lage vieler Familien sei es ein richtiges Signal, als Stadt handlungsfähig zu bleiben und pragmatische Lösungen umzusetzen. Auch wenn das Modell kostenintensiv sei, schaffe es spürbare Entlastung für Eltern. Es sei wichtig, nicht nur auf den Fachkräftemangel zu reagieren, sondern aktiv neue Wege zu gehen. Joachim Werner regt an, das Schulungskonzept der Spielzeitbetreuer:innen zu erweitern, um deren Einsatzqualität weiter zu verbessern.
Für die CDU-Fraktion, Jennifer Molner
Die CDU-Fraktion befürwortet die Ausweitung des Offenburger Modells. Das Projekt habe gezeigt, dass mit engagierten Partnern wie den Maltesern kreative und kurzfristig wirksame Lösungen möglich seien. In der Kita Kunterbunt habe sich das Angebot etabliert, die Rückmeldungen der Eltern seien durchweg positiv. Wichtig sei jedoch, die langfristige Perspektive nicht aus dem Blick zu verlieren: Das Ziel bleibe eine Rückkehr zu einer qualitativ hochwertigen Betreuung durch Fachpersonal.
Für die Fraktion Die Linke, Dr. Jutta Zwaschka
Die Linke sieht im Offenburger Modell unter den gegebenen Umständen eine geeignete Zwischenlösung. Der Fachkräftemangel lasse sich nicht kurzfristig beheben – das Modell sichere in der Übergangszeit jedoch wichtige Betreuungszeiten für die Familien. Die Stadt müsse parallel weiterhin alles daransetzen, Fachkräfte auszubilden und langfristig tragfähige Lösungen für die Kinderbetreuung zu schaffen. Die Linke stimmt der Vorlage zu.
Mit dem Beschluss soll die Zusammenarbeit mit dem Malteser Hilfsdienst bis Ende 2027 verlängert und auf bis zu acht Betreuungsgruppen in städtischen Einrichtungen ausgedehnt werden. Die jährlichen Kosten belaufen sich auf rund 540.000 Euro, wobei Einsparungen durch nicht zu besetzende Fachkraftstellen gegengerechnet werden. Der Gemeinderat fordert die Verwaltung auf, diese Zwischenlösung zur Stabilisierung zu nutzen – und parallel intensiv an strukturellen Lösungen im Personalbereich zu arbeiten.

