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Hallenbad Nellingen: Neues Betriebskonzept beschlossen

Der Gemeinderat Ostfildern hat mit großer Mehrheit ein neues Betriebskonzept für das Hallenbad Nellingen beschlossen. Ziel ist es, den Weiterbetrieb des letzten öffentlichen Hallenbads in städtischer Trägerschaft langfristig zu sichern und gleichzeitig die finanzielle Belastung für den städtischen Haushalt zu reduzieren.

Das Hallenbad bleibt damit weiterhin für die Öffentlichkeit, für Schulen und für Vereine nutzbar – künftig jedoch mit veränderten Schwerpunkten bei den Öffnungszeiten und der Nutzung.

Hohe Defizite und Sanierungsbedarf

Der Betrieb des Hallenbads ist seit Jahren stark defizitär. Die Stadtwerke Ostfildern beziffern die jährliche Kostenunterdeckung auf über 453.000 Euro. Der städtische Haushalt gleicht davon derzeit rund 360.000 Euro jährlich aus.

Hinzu kommt ein erheblicher Sanierungsbedarf. Für die Modernisierung des Bads werden Investitionen in Höhe von rund 11 Millionen Euro veranschlagt. Vor diesem Hintergrund sah der Gemeinderat Handlungsbedarf, um den Betrieb wirtschaftlicher aufzustellen.

Weniger Zeit für die Öffentlichkeit

Kernpunkt des neuen Betriebskonzepts ist eine Reduzierung der öffentlichen Badezeiten. Statt bislang 36,5 Stunden pro Woche stehen künftig rund 24,5 Stunden für den allgemeinen Badebetrieb zur Verfügung.

Nach Angaben der Stadtwerke sollen diese Zeiten stärker auf besonders nachgefragte Zeiträume konzentriert werden, vor allem auf die Wochenenden. Damit bleibt öffentliches Schwimmen weiterhin möglich, jedoch in deutlich geringerem Umfang als bisher.

Mehr Nutzung durch Schulen und Vereine

Gleichzeitig wird die Nutzung durch Schulen und Vereine ausgeweitet. Für Schulen sind künftig rund 36 Wochenstunden vorgesehen, vier Stunden mehr als bislang. Auch die Vereinszeiten werden leicht erhöht.

Die Stadt unterstreicht damit die Bedeutung des Hallenbads für den Schwimmunterricht, für Schwimmkurse und für den organisierten Sport.

Neue Einnahmen durch private Vermietungen

Neu ist außerdem die Öffnung des Hallenbads für Vermietungen an private Kursanbieter. Dafür sind künftig rund neun Stunden pro Woche vorgesehen.

Die Stadtwerke erwarten sich davon zusätzliche Einnahmen sowie Einsparungen bei Personal- und Dienstleisterkosten. Gleichzeitig sinken die Einnahmen aus Eintrittsgeldern durch die Reduzierung der öffentlichen Badezeiten.

Einsparungen von bis zu 200.000 Euro jährlich

Durch die Anpassungen rechnen die Stadtwerke mittelfristig mit einer Ergebnisverbesserung zwischen 120.000 und 200.000 Euro pro Jahr. Die Umsetzung des neuen Betriebskonzepts soll schrittweise ab dem Schuljahr 2026/2027 erfolgen.

Änderungsantrag der Grünen abgelehnt

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen brachte im Rahmen der Beratung einen Änderungsantrag ein. Darin sollte die Zustimmung des Gemeinderats ausdrücklich auf die Zeit bis zur Sanierung des Hallenbads begrenzt werden.

Dieser Antrag fand im Gemeinderat jedoch keine Mehrheit und wurde deutlich abgelehnt. Damit gilt der beschlossene Rahmen ohne zeitliche Befristung.

Fazit

Mit dem Beschluss reagiert der Gemeinderat auf die angespannte finanzielle Lage der Stadt und den hohen Zuschussbedarf des Hallenbads Nellingen. Als letztes öffentliches Hallenbad in städtischer Trägerschaft in Ostfildern bleibt die Einrichtung erhalten, allerdings um den Preis einer deutlichen Reduzierung der öffentlichen Badezeiten.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Betrieb eines Hallenbads keine Pflichtaufgabe der Kommune, sondern eine freiwillige kommunale Aufgabe darstellt. Vor diesem Hintergrund bewertet die Mehrheit des Gemeinderats die Anpassung des Betriebskonzepts als notwendigen Schritt, um den Weiterbetrieb des Hallenbads langfristig zu sichern. Kritiker sehen darin eine spürbare Einschränkung für die Bevölkerung und verweisen auf die Bedeutung des Bads für die öffentliche Daseinsvorsorge.

Stellungnahmen aus dem Gemeinderat

Martina Sandhorst-Schäfer (SPD)

Martina Sandhorst-Schäfer sieht die Reduzierung der öffentlichen Badezeiten kritisch. Zwar seien 24,5 Stunden besser als die ursprünglich vorgeschlagenen 20 Stunden, dennoch bedeute dies einen deutlichen Rückgang gegenüber den bisherigen 36,5 Stunden. Für eine Stadt mit rund 40.000 Einwohnerinnen und Einwohnern sei das öffentliche Angebot aus ihrer Sicht zu gering. Besonders problematisch sei, dass ein erheblicher Teil der gekürzten Zeiten zugunsten privater Kursanbieter vorgesehen sei. Öffentliche Badezeiten seien jedoch für viele Bevölkerungsgruppen wichtig, etwa für Feierabendschwimmer, ältere Menschen oder Jugendliche. Die SPD-Stadträtin lehnt die Vorlage daher ab.

Ünal Yalcin (SPD)

Ünal Yalcin betont, dass auch die SPD die Reduzierung der öffentlichen Badezeiten nicht als zufriedenstellend empfinde. Gleichzeitig könne die finanzielle Realität der Stadt nicht ausgeblendet werden. Das jährliche Defizit von über 453.000 Euro sowie der hohe Sanierungsbedarf machten ein unverändertes Weiterführen des Betriebs unmöglich. Der Kompromiss von rund 25 Wochenstunden sei notwendig, um das Hallenbad langfristig zu sichern. Wichtig sei, dass Schulen und Vereine gestärkt würden und der öffentliche Badebetrieb erhalten bleibe. Unter diesen Voraussetzungen stimmt die SPD-Fraktion der Vorlage mehrheitlich zu.

Jutta Zwaschka (Die Linke)

Jutta Zwaschka verweist auf den bundesweiten Sanierungsbedarf vieler Schwimmbäder sowie auf den zunehmenden Personalmangel im Bäderbetrieb. Da Schwimmbäder freiwillige kommunale Leistungen seien, gerieten sie häufig unter Spardruck. Die Linke lehnt es ab, dass die Allgemeinheit weniger Zugang zum Hallenbad erhält, während private Kursangebote ausgeweitet werden. Aus Sicht der Fraktion müsse der öffentliche Badebetrieb Vorrang haben, da Schwimmen ein wichtiger Bestandteil der Daseinsvorsorge sei. Die Linke lehnt das neue Betriebskonzept daher ab.

Joachim Werner (FDP)

Joachim Werner erklärt, dass ihn auch das überarbeitete Betriebskonzept nicht überzeugt. Zwar sei die Reduzierung der öffentlichen Badezeiten gegenüber früheren Vorschlägen abgeschwächt worden, das Grundproblem bleibe jedoch bestehen. Der eigentliche Engpass liege aus seiner Sicht bei der Badeaufsicht und der Personalsituation. Diese Fragen sollten zuerst geklärt werden, bevor der öffentliche Badebetrieb eingeschränkt werde. Werner warnt zudem davor, dass einmal reduzierte Öffnungszeiten kaum wieder ausgeweitet würden. Die FDP-Fraktion lehnt die Vorlage daher ab.

Carola Eisemann (Freie Wähler)

Carola Eisemann begrüßt die überarbeitete Fassung des Betriebskonzepts mit 24,5 Stunden öffentlicher Badezeit. Auch wenn dies für Badegäste einen Einschnitt bedeute, leiste die Stadt damit einen notwendigen Beitrag zur Konsolidierung des Haushalts. Entscheidend sei, dass weiterhin eine ausgewogene Nutzung zwischen Schulen, Vereinen und der Öffentlichkeit gewährleistet werde. Die Stadtwerke müssten die Belegungszeiten in enger Abstimmung mit allen Beteiligten festlegen. Unter diesen Voraussetzungen stimmt die Fraktion der Freien Wähler dem neuen Betriebskonzept zu.

Prof. Dr. Ulrike Berger-Kögler (CDU)

Prof. Dr. Ulrike Berger-Kögler verweist auf das hohe jährliche Defizit des Hallenbads, betont jedoch zugleich dessen große Bedeutung für Gesundheit, Gemeinschaft und insbesondere für das Schulschwimmen. Das angepasste Betriebskonzept setze an den richtigen Stellschrauben an, indem Kosten gesenkt und Einnahmen erhöht würden. Der öffentliche Badebetrieb bleibe weiterhin möglich, wenn auch in reduziertem Umfang. Wichtig sei, dass das Hallenbad erhalten bleibe und Schwimmen weiterhin angeboten werden könne. Die CDU-Fraktion stimmt der Vorlage einstimmig zu.

Margarete Schick-Häberle (B90/Die Grünen)

Margarete Schick-Häberle erklärt, dass die Grünen das neue Betriebskonzept lediglich als Übergangslösung mittragen können. Trotz Verbesserungen gegenüber früheren Vorschlägen liege der Umfang des öffentlichen Badebetriebs weiterhin deutlich unter dem bisherigen Angebot. Kritisch sieht die Fraktion insbesondere die Ausweitung privater Kursangebote zulasten öffentlicher Schwimmzeiten. Das letzte öffentliche Hallenbad in Ostfildern müsse für unterschiedliche Zielgruppen zugänglich bleiben. Mit Blick auf die anstehende Sanierung plädieren die Grünen dafür, das Betriebskonzept anschließend neu zu bewerten.

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