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Busnetz wird ausgedünnt: Landkreis plant Light-Variante

Landkreis vergibt – Stadt informiert

Ab dem 1. Januar 2027 übernimmt der Landkreis Esslingen die Neuvergabe des Linienbündels „Esslingen 04 Filder Ost“, das mehrere Buslinien in Ostfildern umfasst. Zuständig für die Ausschreibung und Finanzierung ist ausschließlich der Landkreis – nicht die Stadt Ostfildern. Der Gemeinderat konnte daher keinen Einfluss auf den Inhalt der Ausschreibung nehmen, sondern hat lediglich Kenntnis von den Inhalten der Vergabevorlage genommen.

Keine Zubuchung – aber auch keine Zusatzkosten

Die ursprünglich diskutierte Weiterführung des bisherigen Angebots („Status Quo“) hätte für Ostfildern jährlich rund 298.000 Euro Mehrkosten bedeutet. Selbst die reduzierte „Status Quo light“-Variante hätte noch über 118.000 Euro gekostet. Nach Verhandlungen mit dem Landkreis und den Nachbarkommunen hat der Landkreis jedoch beschlossen, die komplette Finanzierung der Light-Variante zu übernehmen. Das heißt: keine Zusatzkosten für die Stadt, aber auch keine Möglichkeit, zusätzliche Leistungen (z. B. dichtere Takte) zu bestellen.

Was ist „light“ an der Light-Variante?

Die Linien bleiben bestehen, jedoch kommt es zu Taktreduzierungen, insbesondere:

  • Linien 119 und 120: Reduzierung auf 30-Minuten-Takt zwischen 9 und 12 Uhr.
  • Linie 130: Entfall sämtlicher Fahrten zwischen 9 und 12 Uhr.
  • Linie 122: Streichung von Randzeiten-Fahrten morgens und abends.
  • Linie 131: Keine Änderungen.

Fazit: Das Busangebot bleibt erhalten, wird aber ausgedünnt. Eine Attraktivitätssteigerung des ÖPNV – wie sie das städtische Mobilitätskonzept vorsieht – bleibt aus.


Stimmen aus dem Gemeinderat und der Jugendbeteiligung

SPD-Fraktion (Sekler-Dengler)

Die SPD erkennt an, dass die Light-Variante Ostfildern finanziell entlastet. Trotzdem verpasst die Neuausschreibung die Chance auf strukturelle Verbesserungen. Die Kürzungen – besonders bei Linie 130 und zu Randzeiten – bedeuten einen klaren Rückschritt, vor allem für Pendler und Jugendliche. Die SPD nimmt die Vorlage nüchtern zur Kenntnis, beklagt aber das Ende ambitionierter Klimaziele im ÖPNV.

Jugendbeteiligung Ostfildern (Johannes Dalferth)

Junge Menschen sind auf den ÖPNV angewiesen. Kürzungen zwischen 9 und 12 Uhr treffen Schüler, Abendkürzungen erschweren Freizeitaktivitäten. Das Angebot verschlechtert sich, obwohl gerade Jugendliche auf gute Busverbindungen angewiesen sind. Dennoch wird anerkannt, dass eine Beibehaltung des Status Quo finanziell kaum tragbar war. Das Ergebnis ist ein Kompromiss mit Licht und Schatten.

Die Linke (Jutta Zwaschka)

Die Linke fordert ein ÖPNV-Angebot, das Daseinsvorsorge für alle garantiert: mindestens 15-Minuten-Takt im Ballungsraum, verlässliche Anbindung bis 24 Uhr. Die Ausdünnung des Busverkehrs widerspricht Klimaschutzzielen. Die Verantwortung sieht man bei Land und Bund, nicht bei den Kommunen. Die aktuelle Lösung ist kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt in der Verkehrswende.

FDP (Joachim Werner)

Der „Status Quo light“ ist nicht ideal, aber besser als frühere Entwürfe mit drastischeren Einschnitten. Die FDP kritisiert die Taktreduzierung, betont jedoch die wirtschaftliche Notwendigkeit. Vertrauen besteht in die Entscheidung der Fachleute des VVS. Hoffnung liegt auf einem Betreiber, der eigenwirtschaftlich mehr leisten kann. Die FDP nimmt die Vorlage mit pragmatischer Haltung zur Kenntnis, sieht aber langfristig Verbesserungsbedarf.

Freie Wähler (Dr. Steffen Kaiser)

Die Freien Wähler zeigen sich enttäuscht über das Vorgehen des Landkreises, der zunächst mit Drohungen und hohen Kosten Druck aufgebaut habe. Die jetzige Light-Lösung sei das „denkbar Beste unter schlechten Varianten“. Ein stark reduzierter Fahrplan sei nicht der ursprüngliche Status Quo. Die Vorlage wird sehr ungern zur Kenntnis genommen, um wenigstens die Grundversorgung zu sichern.

CDU (Uwe Stahlmann)

Die CDU hebt hervor, dass alle bisherigen Linien erhalten bleiben, auch wenn der Takt reduziert wird. Eine vollständige Finanzierung durch den Landkreis ist positiv. Die Light-Variante ist nicht gleichbedeutend mit einer Mobilitätswende, aber unter den gegebenen Umständen nachvollziehbar. Die CDU nimmt die Vorlage zur Kenntnis und verbindet damit die Hoffnung, dass ein künftiger Betreiber den bisherigen Angebotsumfang eigenwirtschaftlich wiederherstellen kann.

Jan Weiss
Author: Jan Weiss

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