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Best of Ostfildern: Stadtgeschichte begeistert beim Neujahrsempfang

Am Donnerstagabend, 8. Januar 2026, lud der Verein der Freien Wähler Ostfildern e. V. zum Neujahrsempfang ins Theater an der Halle. Der Theatersaal war bis auf den letzten Platz gefüllt, auch die Empore vollständig besetzt. Unter dem Titel „Best of Ostfildern“ erwartete die Gäste eine Bilderrevue zur Stadtgeschichte, die Musik, persönliche Erinnerungen und historische Einblicke miteinander verband. Die Atmosphäre war von Beginn an locker, aufmerksam und spürbar amüsiert.

In ihrer Begrüßung führte die Vereinsvorsitzende Corina Raisch in den Abend ein. Sie schlug einen Bogen vom jungen Jahr 2026 über aktuelle weltpolitische Entwicklungen bis hin zu Fragen von Demokratie, gesellschaftlichem Zusammenhalt und ehrenamtlichem Engagement vor Ort. Trotz nachdenklicher Passagen blieb der Ton persönlich, ruhig und immer wieder von feinem Humor geprägt. Kleine Seitenbemerkungen und selbstironische Einschübe sorgten dafür, dass die Stimmung im Saal offen und zugewandt blieb.

Im Mittelpunkt des Abends stand Stadtarchivar Jochen Bender, der seit 1992 das Stadtarchiv Ostfildern leitet und im Laufe des Jahres 2026 in den Ruhestand gehen wird. Für diesen Abend hatte er noch einmal ausgewählte Schätze aus seinem umfangreichen Archiv zusammengestellt. Gemeinsam mit musikalischen Einlagen präsentierte er eine kurzweilige Zeitreise durch die Geschichte Ostfilderns – nicht als vollständige Chronik, sondern als persönliches „Best of“, erzählt mit viel Fachwissen, Humor und Gespür für sein Publikum.

Besonders greifbar für viele Gäste war der Blick auf die Geschichte der Straßenbahn END, die 1926 den Betrieb zwischen Esslingen und Nellingen aufnahm. Die Esslingen-Nellingen-Denkendorf-Bahn brachte über Jahrzehnte hinweg Arbeiterinnen und Arbeiter zuverlässig in die Fabriken nach Esslingen und abends wieder zurück auf die Filder. Mit ihren charakteristischen türkisblauen Wagen prägte sie das Ortsbild und wurde zu einem festen Bestandteil des Alltagslebens. Bender machte deutlich, dass die END weit mehr war als ein Verkehrsmittel: Sie stand sinnbildlich für den Wandel von bäuerlich geprägten Dörfern hin zu modernen Arbeiterwohngemeinden und für die zunehmende Vernetzung der Region. Ihre Einstellung im Jahr 1978 war entsprechend ein Einschnitt, der bei vielen Gästen spürbare Erinnerungen weckte.

Ebenso anschaulich schilderte Bender die Entstehung der Parksiedlung nach dem Zweiten Weltkrieg. In einer Zeit großer Wohnungsnot entstand Ende der 1950er Jahre ein neuer Siedlungsbereich, der zahlreichen Menschen ein Zuhause bot. Die Parksiedlung entwickelte sich später zu einem eigenständigen Stadtteil und wurde zu einem wichtigen Baustein der Stadtentwicklung Ostfilderns. Der Architekt Dr. Karl-Georg Siegler hatte sie als Gartenstadt mit viel Grün, aufgelockerter Bebauung und ruhigem Wohnumfeld konzipiert. Trotz mancher Diskussionen in späteren Jahrzehnten sei die Parksiedlung bis heute eine attraktive Wohnlage geblieben und ein prägendes Beispiel für den Wiederaufbau und die Entwicklung der Stadt.

Ältere historische Kapitel – etwa die mittelalterliche Bedeutung Nellingens oder frühe Entwicklungen rund um den Scharnhauser Park – waren ebenfalls Teil des „Best of Ostfildern“, da sie wichtige Meilensteine der Stadtgeschichte markieren. Sie zeigten, auf welchen historischen Grundlagen sich die Stadt über Jahrhunderte hinweg entwickelt hat und wie diese Prägungen bis in die Gegenwart nachwirken.

Immer wieder lockerten kleine Anekdoten, persönliche Beobachtungen und humorvolle Seitenhiebe den Vortrag auf. Die Mischung aus Bildern, Erzählungen und Musik verlieh dem Abend einen angenehmen Rhythmus und machte Stadtgeschichte lebendig und zugänglich.

Im Anschluss an die Bilderrevue luden die Freien Wähler Ostfildern e. V. zu einem Empfang im Foyer und im Kleinen Saal ein. Viele Gäste nutzten die Gelegenheit zu Gesprächen, zum Austausch und zum Teilen eigener Erinnerungen. Der Neujahrsempfang zeigte eindrucksvoll, dass Stadtgeschichte verbinden kann – als gemeinsames Erinnern, das Vergangenheit, Gegenwart und Stadtgesellschaft miteinander verknüpft.

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