Was bleibt nach 20 Jahren Vereinsarbeit? Eine Begegnung auf der Terrasse mit einem, der den TV Nellingen geprägt hat.
Die Sonne senkt sich langsam über Nellingen, als ich mich gestern am Vorabend seines Abschieds zu Karl-Hans Schmid auf die Terrasse setze. Ein Getränk in der Hand, ein offenes Gespräch vor uns.
Heute, wenige Minuten nach seinem offiziellen Rücktritt als 1. Vorsitzender des TV Nellingen, ist klar: Er blickt auf zwei Jahrzehnte ehrenamtliche Vereinsarbeit zurück – nicht mit Wehmut, sondern mit einer Mischung aus Dankbarkeit und leiser Nachdenklichkeit.
„Ich hab mehr vom Verein profitiert, als der Verein von mir.“
Dieser Satz fällt früh – und er umschreibt genau das, was Karl-Hans Schmid empfindet. Fast 20 Jahre lang hat er den TV Nellingen aktiv mitgestaltet: zuerst als Vorstand Sport, dann acht Jahre lang als 1. Vorsitzender. Die Aufgaben änderten sich, die Themen auch. Doch der Kern seiner Arbeit blieb: Menschen verbinden, Strukturen erhalten, den Verein durch schwere Zeiten steuern.
Gerade diese Nähe zu den Menschen sieht er als seine größte Lektion. „Man muss sich in die anderen hineinversetzen können,“ erzählt er ruhig. „Manchmal musst du dich zurücknehmen, manchmal musst du kämpfen. Und oft musst du einfach da sein.“ Präsenz, Empathie, Fingerspitzengefühl – Eigenschaften, die kein Digitalisierungsschub ersetzen könne.
An Herausforderungen mangelte es in all den Jahren nicht. Die Zeit der finanziellen Konsolidierung, die Folgen der Corona-Pandemie, die zähen Verhandlungen um den Bau der neuen Sporthalle 1 – und immer wieder die Suche nach Lösungen, die nicht nur pragmatisch, sondern auch menschlich vertretbar waren.
„Corona war brutal,“ sagt er. „Von heute auf morgen war alles weg – Einnahmen, Trainingsbetrieb, Sicherheit. Und trotzdem haben wir versucht, für unsere Mitglieder da zu sein.“
Sein größtes persönliches Highlight? Nicht ein einzelnes Projekt, sondern die vielen Begegnungen, das gewachsene Netzwerk, die Erfahrungen. „Was ich an Menschen kennengelernt habe, das kann mir keiner nehmen.“ Besonders erinnert er sich an die Jubiläumsveranstaltungen in der alten Halle 1 – Momente voller Stolz, Gemeinschaft und echter Vereinsfreude.
Doch Schmid verschweigt auch nicht seine Sorgen. Die Solidarität zwischen den Abteilungen werde zur Herausforderung, wenn wirtschaftliche Zwänge größer würden. „Ein Verein lebt nur durch Gemeinschaft. Wenn jeder nur auf sich schaut, verlieren wir das Wichtigste.“ Die finanzielle Zukunft, der Erhalt der Ehrenamtlichkeit, die notwendige Lobbyarbeit gegenüber Stadt und Verwaltung – all das sind Aufgaben eines 1. Vorsitzenden, für die er seinen Nachfolgern alles Gute wünscht.

Für diese neuen Kräfte im Vorstand hat er klare Wünsche: Geduld, Leidenschaft – und die Fähigkeit, sich nicht von Alltagsproblemen auffressen zu lassen. „Du kannst viel organisieren, aber du musst Menschen gewinnen.“
Das gelinge nur durch echte Präsenz – ein Wert, den Schmid mit Überzeugung lebt und der auch seine eigene Bilanz nach 20 Jahren prägt.
Jetzt freut er sich auf spontane Wohnmobiltouren, auf freie Abende ohne Sitzungskalender. Und doch wird er dem TV Nellingen eng verbunden bleiben – denn er hat sich bereit erklärt bei den Gartenarbeiten rund um das Vereinsheim zu unterstützen.
Als ich mich verabschiede, wirft er noch einen letzten, nachdenklichen Satz in den lauen Abend:
„Vereine leben nicht von Verwaltung. Sie leben von Herzblut.“

