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Kemnat, Scharnhauser Park und Ruit ab 2027/28

Ostfildern: drei Grundschulen werden Ganztagsschulen

Der Gemeinderat Ostfildern hat am 22. Juli 2026 einstimmig den Weg für eine grundlegende Neuausrichtung der Grundschulbetreuung freigemacht. Sowohl die Pfingstweideschule (Kemnat) und die Schule im Park (Scharnhauser Park) als auch die Grundschule Ruit werden ab dem Schuljahr 2027/2028 zu Ganztagsschulen im Zeitmodell 3×7 – also drei Tage mit jeweils sieben Zeitstunden. Beide Beschlussvorlagen wurden mit jeweils 26 Ja-Stimmen angenommen.

Für Hunderte Familien in Ostfildern ändert sich damit der Schulalltag ihrer Kinder. Ein Überblick, was konkret vorgesehen ist, warum die Stadt diesen Schritt geht – und welche Chancen und offenen Fragen damit verbunden sind.

Was genau beschlossen wurde

Die drei Schulen gehen unterschiedliche Wege:

  • Grundschule Kemnat (Pfingstweideschule): startet als Ganztagsschule in Wahlform – Eltern können ihr Kind aktiv für das Ganztagsangebot anmelden, es besteht aber keine Pflicht dazu.
  • Schule im Park: wird verbindliche Ganztagsschule – für angemeldete Klassenstufen gilt der Ganztag künftig für alle Kinder.
  • Grundschule Ruit: wechselt von der bisherigen Wahlform in eine verbindliche Ganztagsschule.

An allen drei Schulen beginnt die Umstellung zunächst mit den Klassenstufen 1 und 2 und wird bis zum Schuljahr 2029/2030 sukzessive auf alle Klassen ausgeweitet. Der Ganztag findet an drei Tagen zwischen rund 7:45/8:00 Uhr und 15:00 Uhr statt, an den übrigen beiden Tagen endet der Unterricht bereits gegen Mittag. Die Stadt Ostfildern übernimmt als Schulträger ein warmes Mittagessen sowie die Aufsicht während der Mittagspause und trägt die anfallenden Sach- und Personalkosten.

Warum die Umstellung kommt

Der zentrale Treiber ist die Betreuungsnachfrage, die in den vergangenen Jahren an allen drei Standorten kontinuierlich gestiegen ist:

  • An der Schule im Park liegt die Betreuungsquote bereits bei 79 % (Stand November 2025) und steigt für 2026/2027 auf 92 % der Plätze.
  • In Ruit sind aktuell 88 % der Schülerinnen und Schüler im Ganztag angemeldet, obwohl die Schülerzahl insgesamt sinkt – die Nachfrage nach Ganztag wächst also anteilig weiter.
  • An der Pfingstweideschule liegt die Quote mit 53 % niedriger, was die Entscheidung für die Wahlform statt der Verbindlichkeit erklärt.

Hinzu kommt ein rechtlicher Rahmen: Ab dem Schuljahr 2026/2027 tritt schrittweise der bundesweite Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen in Kraft. Für die Kommune ändert sich damit auch die Förderlogik des Landes – weg von pauschalen Gruppenzuschüssen für Hortgruppen, hin zu einer Pro-Kopf-Förderung pro betreuter Stunde (ab 2029/2030 kalkuliert mit 2,80 € pro Kind und Stunde). Diese neue Betriebskostenförderung ist auf den Betrieb einer Ganztagsschule ausgerichtet, während sich der bisherige Hortbetrieb organisatorisch und finanziell in einer anderen Logik bewegt.

Was sich für Eltern ändert

Betreuung während der Schulzeit statt separater Hort- und Kernzeitangebote. Für die Klassenstufen 1 und 2 wird die bisherige Hort- und Kernzeitbetreuung an allen drei Schulen ab 2027/2028 durch das Ganztagsangebot der Schule ersetzt. An der Schule im Park und in Ruit gilt das für alle Kinder der betroffenen Klassenstufen, in Kemnat richtet es sich danach, ob Eltern ihr Kind für den Ganztag anmelden. Für Familien im Schulbezirk Ruit, die den Ganztag grundsätzlich nicht in Anspruch nehmen möchten, müsste ein Wechsel an eine andere Grundschule in Ostfildern ohne verbindlichen Ganztag geprüft werden.

Feste Ganztagszeiten an drei Wochentagen. In Ruit und an der Schule im Park gilt künftig für alle Kinder derselbe verbindliche Rhythmus – Unterricht und Betreuung bis 15 Uhr an drei Tagen, an den übrigen beiden Tagen Unterrichtsende gegen Mittag. Das schafft einen einheitlichen Tagesablauf für alle Familien und macht die Planung von Nachmittagsterminen wie Vereinssport oder Musikschule an den beiden kürzeren Tagen weiterhin gut möglich.

Lernzeiten statt klassischer Hausaufgaben. An allen Standorten werden Hausaufgaben durch individuelle Lernzeiten beziehungsweise Wochenpläne im Schulalltag ersetzt. Das verlagert einen Teil der bisherigen häuslichen Lernbegleitung in die Schule und kann Familien am Nachmittag entlasten.

Ganztag kostenfrei, Beiträge nur für Randzeiten. Weil in Baden-Württemberg für die reguläre Schulzeit Schulgeldfreiheit gilt (§ 93 SchG), fällt für die Ganztagszeit selbst kein Elternbeitrag an. Beiträge werden künftig nur noch für die ergänzende Randzeitbetreuung (EFA) erhoben, die weiterhin die Zeiten zwischen 7 und 17 Uhr abdeckt. Die genaue Höhe richtet sich nach der neuen Gebührensatzung der Stadt, die zum 1.9.2026 in Kraft tritt.

Warmes Mittagessen für alle Ganztagskinder. Die Stadt übernimmt verbindlich Mittagessen und Aufsicht während der Mittagspause – ein Angebot, das damit an allen drei Schulen einheitlich abgesichert ist.

Sukzessiver Übergang über mehrere Jahre. Da die Umstellung klassenweise erfolgt, laufen für die Klassen 3 und 4 die bisherigen Hort- und Kernzeitangebote zunächst weiter, während parallel die neuen Ganztagsstrukturen für die Klassen 1 und 2 aufgebaut werden. Für Familien mit Kindern in unterschiedlichen Klassenstufen kann das während der Übergangszeit bedeuten, dass innerhalb derselben Schule zwei Betreuungsmodelle nebeneinander bestehen.

Chancen und pädagogische Ansätze

Die Konzepte der drei Schulen setzen bewusst auf mehr als reine Betreuung:

  • Rhythmisierter Schultag: Unterricht, Lernzeiten, Bewegungs- und Kreativangebote wechseln sich über den Tag ab, statt Unterricht und Nachmittagsbetreuung strikt zu trennen.
  • Mehr Bewegung und Naturbezug: An der Pfingstweideschule ist fast täglich eine Sportstunde vorgesehen, ergänzt um Angebote wie Streuobstpädagogik in Kooperation mit lokalen Vereinen.
  • Ruhe- und Reflexionsangebote: In Ruit sind etwa eine freiwillige „Stille Pause“ im Mittagsband sowie angeleitete Entspannungszeiten vorgesehen.
  • Engere Verzahnung von Schule und Ganztagsbildungsbereich: Die bisherigen Hort-Teams werden zu festen Kooperationspartnern der Schulen und bringen ihre pädagogische Expertise direkt in den Schulalltag ein.
  • Zusätzliche Kooperationspartner: Vereine, Musikschule, Bücherei, städtische Galerie und weitere lokale Akteure erweitern das Angebotsspektrum der Schulen.
  • Individuelles Lernen statt Hausaufgaben: Wochenpläne sollen Kinder zu selbständigerem Lernen befähigen und Familien am Nachmittag entlasten.

Stellungnahmen der Fraktionen

Bündnis 90/Die Grünen – Dr. Gabriele Klumpp

Ab 2026/27 gilt der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, weshalb wir den Ausbau der Pfingstweideschule und der Schule im Park zu Ganztagsgrundschulen unterstützen. Der Ganztag verbessert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, entscheidend ist für uns aber die Bildungsgerechtigkeit: Unabhängig vom Elternhaus erhalten Kinder verlässliche Förderung, Hausaufgaben werden in der Schule erledigt, und der Ganztag ist – anders als die Hortbetreuung – kostenfrei. Dass die Schule im Park verpflichtend startet und Kemnat zunächst die Wahlform wählt, ist angesichts der unterschiedlichen Elternzustimmung von über 80 % beziehungsweise gut 50 % nachvollziehbar; wir sind aber zuversichtlich, dass Kemnat sich später zur gebundenen Form weiterentwickelt. Ergänzend kommen externe Partner und ein warmes Mittagessen hinzu. Der Grundschule Ruit wünschen wir Erfolg mit dem neuen Konzept und hoffen auf Mittel für eine eigene Mensa. Wir stimmen beiden Vorlagen zu.

FDP – Joachim Werner

Ich stimme beiden Vorlagen zu. Mit meinen eigenen Kindern habe ich über Jahre gute Erfahrungen mit dem Ganztag in Ruit gemacht – das Modell 3×7 ist alltagstauglich und kindgerecht, Vereine und Musikschule bleiben weiterhin gut nutzbar. Die seit Jahren steigende Elternnachfrage zeigt, dass die Angebote den Bedarf treffen. Nehmen alle Kinder teil, lassen sich Lernzeiten, Ruhephasen, Bewegung und Projekte flexibler gestalten, zugleich entlastet eine einheitliche Struktur die Einrichtungen organisatorisch. Ganztagsschulen leisten außerdem einen wichtigen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit, unabhängig vom sozialen Hintergrund der Familien. Auch die unterschiedlichen Einstiegswege halte ich für sinnvoll: Ruit und die Schule im Park starten angesichts der hohen Betreuungsquote direkt verbindlich, Kemnat beginnt passend zur Schulgröße und den laufenden Umbaumaßnahmen zunächst in Wahlform.

Freie Wähler – Petra Hönschel-Gehrung (Vorlage 079, Ruit)

Die Grundschule Ruit startete 2015 mit dem Ganztag in Wahlform; dass inzwischen 88 % der Kinder teilnehmen, zeigt, wie bewährt und akzeptiert das Angebot ist. Schulleiterin Frau Oswald hat gemeinsam mit Kollegium, Elternvertretern und dem städtischen Fachpersonal das Konzept umfassend überarbeitet und dabei organisatorische wie pädagogische Bedürfnisse der Kinder und Familien berücksichtigt. Besonders hervorzuheben sind die neuen Angebote „Stille Pause” und „Entspannungszeit”, die es so an keiner anderen Schule in Ostfildern gibt und die auch Kindern gerecht werden, die Ruhe und Rückzug statt Bewegung und Trubel suchen. Für die Freie Wähler Fraktion ist die Weiterentwicklung zum verbindlichen Ganztag daher ein folgerichtiger Schritt, der Bildung, Gemeinschaft, Verlässlichkeit und individuelle Förderung verbindet. Wir hoffen, dass auch Kritiker die Vorteile erkennen, und stimmen der Vorlage zu.

Freie Wähler – Markus Dinkelacker (Vorlage 078, Pfingstweideschule und Schule im Park)

Die Freie Wähler Fraktion begrüßt die Weiterentwicklung beider Grundschulen zu Ganztagsschulen; die Vorlage zeigt hohen Bedarf und sorgfältig entwickelte Konzepte, die Unterricht, Lernzeiten, Bewegung, Kreativität und verlässliche Betreuung sinnvoll verbinden. Bei der Pfingstweideschule unterstützen wir den Start in Wahlform mit dem Modell 3×7, da die Wahlfreiheit der Eltern erhalten bleibt und der Übergang behutsam erfolgt; die enge Zusammenarbeit mit dem Ganztagsbildungsbereich und weiteren Partnern stärkt das Profil der Schule. Bei der Schule im Park begrüßen wir die verbindliche Umwandlung, da die hohe und weiter steigende Betreuungsquote dies pädagogisch rechtfertigt; das Lern- und Lebenskonzept mit Fokus auf Respekt, Toleranz und Gemeinschaft schafft ein stabiles Fundament. Die vorgesehene Übernahme der Sach- und Personalkosten sowie der Mittagsversorgung ist notwendig, damit die Umsetzung gelingt. Wir stimmen der Vorlage zu und danken für die sorgfältige Vorbereitung.

CDU – Prof. Dr. Ulrike Berger-Kögler

Ganztagsschulen haben zwei Seiten: Sie verbessern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sind für Eltern kostenfrei und fördern Bildungsgerechtigkeit sowie soziale Chancengleichheit – bedeuten für manche Familien aber weniger gemeinsame Zeit, weniger Raum für Vereine und einen Eingriff in die Wahlfreiheit. Für die CDU-Fraktion stand die Wahlfreiheit der Familien im Vordergrund, dennoch respektieren wir die klaren Präferenzen der Eltern: 88 % Ganztagskinder in Ruit, bis zu 92 % Betreuungsquote an der Schule im Park, in Kemnat eine knappere Mehrheit von 57 %. Deshalb haben wir uns für das niederschwellige Modell 3×7 an allen drei Schulen eingesetzt – ein tragbarer Kompromiss, der Aktivitäten außerhalb der Schule weiterhin ermöglicht. Ganztag in Wahlform bringt pädagogisch weniger, da sich Angebote nicht klassenweit planen lassen. Wir stimmen beiden Vorlagen einstimmig zu, im Vertrauen darauf, dass Eltern, die den verpflichtenden Ganztag ablehnen, an eine Schule ohne diese Verpflichtung wechseln können.

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