Ostfildern – Scharnhausen: Nach einer intensiven Debatte im Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) wurden heute die Weiche für den Ersatz der gesperrten Fußgängerbrücke am Schlössle gestellt. Während die Verwaltung die Brücke als „wünschenswert, aber nicht zwingend notwendig“ einstufte, unterstrichen die Fraktionen sowie eine Unterschriftenaktion aus der Bevölkerung die hohe Bedeutung dieser Verbindung für das lokale Wegenetz.
Aluminium als Kompromiss zwischen Kosten und Nutzen
Die Stadtverwaltung schlug vor, den Neubau in Aluminiumbauweise zu planen. Dies sei die wirtschaftlichste Lösung, um Langlebigkeit mit vergleichsweise geringen Kosten zu vereinen. Ein entscheidender Faktor: Bei dieser Leichtbauweise besteht die Hoffnung, die vorhandenen Fundamente weitestgehend weiternutzen zu können.
Die derzeitige Kostenschätzung liegt bei rund 260.000 Euro. Da jedoch noch Abstimmungen mit den Naturschutz- und Gewässerbehörden ausstehen und unklar ist, ob das Projekt als Sanierung oder rechtlicher Neubau gewertet wird, verbleiben finanzielle Unsicherheiten.
Stimmen aus dem Gremium: Prioritäten und Kritik
Die Diskussion im Ausschuss spiegelte das Spannungsfeld zwischen Bürgerwünschen und der angespannten Haushaltslage wider:
- Skepsis bezüglich der Finanzierung: Es wurden Bedenken geäußert, ob das Projekt angesichts anderer Prioritäten zeitnah realisierbar sei. Ein Planungsauftrag dürfe die Verwaltung nicht unnötig belasten, wenn die Umsetzung finanziell noch nicht gesichert ist.
- Bedeutung der Verbindung: Andere Stimmen betonten, dass die Brücke eine wesentliche Achse für Fußgänger und den Radverkehr darstelle. Die Unterschriften von fast 200 Bürgerinnen und Bürgern verdeutlichten, dass der Steg ein wichtiger Identifikationspunkt im Ort sei.
- Gestaltung und Material: Während der Verzicht auf den nachhaltigen Rohstoff Holz zugunsten von Aluminium aus ökologischen und ästhetischen Gründen bedauert wurde, überwog die Ansicht: „Lieber eine Aluminiumbrücke als gar keine.“
- Barrierefreiheit und Details: Angeregt wurde, bei der Bodenbeschichtung auf Gitterroste zu verzichten, um die Brücke für Kleintiere und Hunde sicher passierbar zu machen. Zudem müsse die Breite so geplant werden, dass auch Kinderanhänger die Brücke nutzen können, ohne die Kosten durch eine zu massive Verbreiterung zu sprengen.
Planungsauftrag mit „Kostenvorbehalt“
Das Gremium einigte sich darauf, zunächst den Planungsauftrag zu erteilen, um eine belastbare Entscheidungsgrundlage zu erhalten. Ein endgültiger Baubeschluss solle dies noch nicht sein. Die Verwaltung sagte zu, das Projekt erneut dem Gremium vorzustellen, sollten die Kosten – etwa durch notwendige Fundamenterneuerungen – signifikant über den aktuellen Schätzungen liegen oder eine Grenze von etwa 350.000 bis 400.000 Euro überschreiten.
Ergebnis
Der Ausschuss stimmte bei einer Enthaltung mehrheitlich für den Planungsauftrag. Damit wird die Verwaltung nun ein konkretes Projekt ausarbeiten, das Funktionalität und Kostendisziplin vereinen soll.
Quelle: Protokollnotizen und Unterlagen zur Sitzung des ATU vom 22.04.2026.

