Es ist kein gewöhnlicher Anblick auf dem Gewann Butzenwiesen in Ruit: Ein Bundestagsabgeordneter tauscht das diplomatische Protokoll gegen den Spatenstich im Grünen, und ein Bankvertreter lässt den Schreibtisch hinter sich, um tatkräftig mit anzupacken. Doch der Anlass am 17. April 2026 war weit mehr als nur ein Fototermin. Es ging um eine Antwort auf eine der drängendsten Fragen für unsere heimische Natur: Wie halten wir die Streuobstwiesen fit für den Klimawandel?
Wenn der Bundestagsabgeordnete Dr. David Preisendanz MdB und Markus Wittkamp von der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen gemeinsam mit Oliver Galle, dem ersten Vorsitzenden des OGV Kemnat, zur Tat schreiten, tun sie das für ein Experiment mit Weitblick. Der frisch gepflanzte Kaki-Baum ist ein Symbol für diesen Wandel. Wo früher Apfel und Birne dominierten, müssen heute neue, hitzeresistente Wege gegangen werden, um die grüne Lunge zwischen den Stadtteilen zu erhalten.
Ein Pilotprojekt gegen die Trockenheit
Die Pflanzung markiert den offiziellen Startschuss für das Projekt „Neue Obstarten auf Streuobstwiesen“. Gefördert durch die Stiftung Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, wird hier praktisch erprobt, wie mediterrane Arten das ökologische Erbe des Landkreises sichern können.
Der Vereinsexperte Oliver Galle unterstrich vor Ort die Dringlichkeit: Investitionen in die biologische Vielfalt von heute seien die einzige Garantie, um das Landschaftsbild von morgen zu sichern. Der Handlungsbedarf ist sichtbar: Auf benachbarten Grundstücken ragen ohne fachgerechte Pflege oft nur noch tote Baumgerippe in den Himmel – eine direkte Folge von Wassermangel und fehlender Verjüngung der Bestände.



OGV Kemnat: Ein Generationswechsel mit Vorbildcharakter
Dass gerade der OGV Kemnat dieses Pilotprojekt vorantreibt, liegt an einer erfolgreichen Neuausrichtung des Vereins. Während viele Traditionsvereine heute vor der Herausforderung stehen, Nachfolger zu finden, hat Kemnat diesen Sprung bereits 2018 gemeistert. Unter der Führung von Oliver Galle und einem neuen Vorstandsteam hat der Verein einen Strukturwandel vollzogen, der heute als Paradebeispiel für modernen Gemeinschaftssinn in Baden-Württemberg gilt.
Statt Stillstand gab es Aufbruch: Innerhalb weniger Jahre stieg die Mitgliederzahl von 130 auf über 310 an. Das Fundament dieses Erfolgs ist die Einbindung der nächsten Generation: Mit über 60 aktiven Kindern und Jugendlichen hat der Verein bewiesen, dass das Thema Natur und Gartenbau aktueller denn je ist, wenn man es zeitgemäß vermittelt.
Das neue „grüne Wohnzimmer“ am Haldenweg
Passend zu diesem Wachstum verkündete der Verein beim Vor-Ort-Termin einen weiteren Meilenstein: Das neue Gemeinschaftsgrundstück am Haldenweg in Kemnat; in direkter Nachbarschaft zu Grundschule und Kindergarten schafft der OGV dort einen Ort der Begegnung.
Hier können Bürger ohne eigenen Garten in Hochbeeten gärtnern, Kinder die Natur entdecken und die Gemeinschaft gepflegt werden. Es ist ein Angebot, das zeigt: Der Verein ist im Ortskern angekommen und bietet Raum für alle, die das „Gärtnern ohne eigenes Land“ suchen.
Fazit
Die Baumpflanzung auf den Butzenwiesen verdeutlicht: Wenn lokales Engagement, politische Unterstützung und finanzielle Förderung ineinandergreifen, entsteht etwas Bleibendes. Der Kaki-Baum mag heute noch klein sein, doch er steht als starkes Zeichen dafür, dass Tradition und Zukunft in Ostfildern Hand in Hand gehen.

