Gemeinderat beschließt Änderungen ab 1. Januar 2026
Der Gemeinderat Ostfildern hat in seiner Sitzung am 10. Dezember 2025 die Anpassung des Punktevergabesystems für die trägerübergreifende Vergabe von Krippen- und Kindergartenplätzen (einschließlich Ganztag) beschlossen. Das System war erst zum 1. Januar 2025 eingeführt worden und wurde nun nach der ersten großen Vergaberunde im April 2025 ausgewertet und überarbeitet.
Hintergrund bleibt der anhaltende Fachkräftemangel in der Kinderbetreuung. In Ostfildern kann der bestehende Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem vollendeten ersten Lebensjahr nicht immer erfüllt werden. Das Punktesystem soll diese Mangelsituation transparent und nachvollziehbar verwalten und Kriterien für die Vergabe der knappen Plätze offenlegen.
Zentrale Änderungen im Überblick
Anschlussplätze und Vorschulkinder
Bisher erhielten Kinder, die bereits einen Krippenplatz oder eine Betreuung durch Tageseltern (TEV) hatten und in Ostfildern wohnen, für einen Anschlussplatz 220 Punkte. Sie standen damit bei Nachrückverfahren fast immer ganz oben auf den Wartelisten. Kinder, die bislang keine institutionelle Betreuung hatten, starteten dagegen vielfach mit 0 Punkten – darunter auch viele Vorschulkinder ab 5 Jahren.
Künftig werden Anschlussplätze mit 150 statt 220 Punkten bewertet. Gleichzeitig erhalten nun auch neu zugezogene Kinder aus anderen Kommunen Punkte, wenn sie dort bereits in Krippe, Kindertagespflege oder Kindergarten betreut wurden. Für Vorschulkinder, die noch keinen Ü3-Platz hatten, wird die Punktzahl von 150 auf 160 Punkte angehoben.
Geschwisterkinder
Für Geschwisterkinder in derselben Einrichtung wurden bislang 50 Punkte vergeben. Dieser Wert wird deutlich reduziert: Künftig gibt es 10 Punkte. Damit bleibt der Vorteil für Familien mit mehreren Kindern bestehen, die starke Benachteiligung von Kindern ohne Geschwister in derselben Einrichtung wird jedoch abgeschwächt.
Kinder in schwieriger Lebenslage (Härtefälle)
Für genehmigte Härtefallanträge – Kinder und Familien in schwieriger Lebenslage – wurden bisher 50 Punkte vergeben. Die Verwaltung berichtet, dass diese Punktzahl in der Praxis meist nicht ausreichte, um ein Platzangebot zu erhalten. Die Bepunktung wird daher deutlich auf 160 Punkte erhöht, um diesen Kindern schneller den Zugang zu einem Betreuungsplatz zu ermöglichen.
Negative Rückmeldungen
Bislang wurden negative Rückmeldungen (Absagen) nur innerhalb derselben Betreuungsform berücksichtigt. Wenn ein Kind nach mehreren Absagen in der Krippe später in den Kindergarten wechselte, verfielen die Punkte, sodass es dort wieder bei 0 startete.
Künftig werden negative Rückmeldungen betreuungsformübergreifend gewertet:
- Erste negative Rückmeldung: 100 Punkte
- Zweite negative Rückmeldung: 200 Punkte
Die Punkte bleiben also erhalten, auch wenn das Kind von der Krippe in den Kindergarten „hineinwächst“.
Einschätzungen aus den Fraktionen
B’90/Die Grünen – Thorsten Hornung
Für die Fraktion B’90/Die Grünen machte Thorsten Hornung deutlich, dass Ostfildern weiterhin unter einem gravierenden Mangel an Erzieherinnen und Erziehern leidet und der Rechtsanspruch vielfach nicht erfüllt werden kann. Das Punktevergabesystem sei eingeführt worden, um diesen Mangel gerechter und transparenter zu verwalten. Die nun erkannten unerwünschten Effekte machten eine Nachjustierung notwendig. Hornung betonte, dass es bei sehr unterschiedlichen Familiensituationen keine eindeutige Antwort auf die Frage gebe, was gerecht ist, und dass es trotz Anpassung weiterhin Härtefälle und Ungleichheiten geben werde. Die Grünen hoffen auf ein „runderes“ System, sehen den Fachkräftemangel aber als ungelöstes Kernproblem und stimmen der Vorlage zu.
Die Linke – Jutta Zwaschka
Jutta Zwaschka (Die Linke) stellte heraus, dass der Fachkräftemangel die Stadt zu klaren Auswahl- und Priorisierungskriterien zwingt, um Entscheidungen nachvollziehbar und frei von Willkür zu treffen. Sie begrüßt, dass Kinder ohne frühere Krippen- oder Tagespflegebetreuung – insbesondere Vorschulkinder – künftig ausgewogener gegenüber Anschlusskindern berücksichtigt werden. Kritisch sieht sie die deutliche Reduzierung der Punkte für Geschwisterkinder, da es Eltern schwer zu vermitteln sei, wenn Kinder auf verschiedene Einrichtungen verteilt werden. Positiv bewertet Zwaschka die höhere Bepunktung von Kindern in schwierigen Lebenslagen und die Berücksichtigung negativer Rückmeldungen bei der späteren Kindergartenvergabe. Die Linke stimmt der Vorlage zu, weil aus ihrer Sicht die positiven Änderungen überwiegen.
FDP – Joachim Werner
Joachim Werner (FDP) ordnete das Punktevergabesystem klar als Instrument der „Mangelverwaltung“ ein: Es fehlten Betreuungspersonen, deshalb könnten viele Wünsche nicht erfüllt werden. Das Punktesystem sei ein Versuch, unter diesen Bedingungen mehr Transparenz und Gerechtigkeit zu schaffen. Mit der Einführung Anfang 2025 sei ein erster wichtiger Schritt getan worden, die nun vorgenommenen Anpassungen seien eine Weiterentwicklung aus den bisherigen Erfahrungen. Werner hob hervor, dass mit der Überarbeitung insbesondere drei Gruppen klar priorisiert würden: Kinder von Beschäftigten im Erziehungswesen, Familien in schwierigen Lebenslagen und Vorschulkinder. Alle anderen Fälle blieben schwierig, solange nicht mehr Fachkräfte gewonnen werden. Die FDP-Fraktion stimmt der Vorlage zu.
Freie Wähler – Petra Hönschel-Gehrung
Für die Freien Wähler erinnerte Petra Hönschel-Gehrung daran, dass die Verwaltung zugesagt hatte, das System nach einem Jahr zu überprüfen – dieses Versprechen sei nun eingelöst worden. Ein Punktesystem werde grundsätzlich befürwortet, weil es für Eltern und Einrichtungen transparent sei. Hönschel-Gehrung wies darauf hin, dass weiterhin ein Mangel an Plätzen und Personal verwaltet werde und die Fraktion deshalb eine erneute Überprüfung nach einem weiteren Jahr anregt. Besonders wichtig sei den Freien Wählern die höhere Bepunktung von Vorschulkindern und die Übernahme der Punkte aus negativen Bescheiden im U3-Bereich in den Ü3-Bereich. Die Fraktion der Freien Wähler stimmt der Vorlage zu.
CDU – Prof. Dr. Ulrike Berger-Kögler
Prof. Dr. Ulrike Berger-Kögler sprach für die CDU-Fraktion und bezeichnete die Situation ebenfalls als Mangelverwaltung, in der nicht alle nachgefragten Betreuungsplätze angeboten werden können. Gerade deshalb seien nachvollziehbare und transparente Kriterien wichtig, die im Idealfall als gerecht wahrgenommen würden. Sie hob besonders hervor, dass die Punkte für negative Rückmeldungen künftig betreuungsformübergreifend erhalten bleiben und abgelehnte Kinder so tatsächlich bevorzugt werden. Auch die Korrektur bei den Anschlussplätzen sieht die CDU positiv, da Familien, die ihre Kinder selbst betreut und das System entlastet haben, zuvor klar im Nachteil waren. Die Reduzierung der Punkte für Geschwisterkinder und die höhere Gewichtung von Kindern in schwierigen Lebenslagen werden ebenfalls begrüßt. Die CDU dankt der Verwaltung für die Analyse und Nachsteuerung und stimmt der Vorlage einstimmig zu.
Ausblick: Weitere Anpassungen für Schulkindbetreuung angekündigt
Mit Blick auf den bundesweiten Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung von Schulkindern ab dem 1. September 2026 kündigt die Stadt an, auch die Satzung und das Punktevergabesystem für die Schulkindbetreuung anzupassen. Eine entsprechende Vorlage soll zu einem späteren Zeitpunkt folgen.

