Vom 30. Juni bis 5. Juli waren sieben Mitarbeiterinnen des „Adult Education Center of Poltava Region“, eine Nichtregierungsorganisation aus Ostfilderns Partnerstadt Poltawa, zu Gast auf den Fildern. Der Besuch bildete den Höhepunkt des Projekts „Bridges/Brücken“, das gemeinsam von den Volkshochschulen Ostfildern, Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen mit der ukrainischen Erwachsenenbildungseinrichtung organisiert wurde.
Im Mittelpunkt der Begegnungswoche stand der Wert von Bildung in Krisen- und Kriegszeiten. Die Relevanz des Themas wurde durch die aktuelle Kriegssituation auf tragische Weise verdeutlicht: Am Tag der zentralen Diskussionsveranstaltung „Fildern Spricht!“ traf erneut ein russischer Raketenangriff Poltawa, zwei Zivilisten kamen ums Leben, zahlreiche wurden verletzt.
„Heute ist ein schwerer Tag für uns“, berichtet Svitlana Nestulya, Direktorin der Partnerorganisation, als sie am 3. Juli von Anne Rist zum Austausch an der Volkshochschule Ostfildern abgeholt wird. „Wir haben viel telefoniert, um sicherzugehen, dass unsere Familien in Sicherheit sind.“ Und dennoch: Die Gruppe nimmt am Austausch mit Christina Jetter-Staib, Leiterin der Volkshochschule Ostfildern, mit großer Aufmerksamkeit teil, stellt viele Fragen – ein Zeichen ihrer über die Jahre aufgebauten Resilienz.
Bereits am Tag nach dem 24. Februar 2022, so berichten sie, habe ihre Organisation Online-Workshops zu Resilienz organisiert. Die Organisation, die bislang vor allem von ehrenamtlichem Engagement lebt, ist im Aufbau – Fernziel ist der Aufbau einer Vereinigung, die dem Konzept der deutschen Volkshochschule ähnelt.
Ein Abend zum Wert von Bildung und Solidarität
Am Abend des 3. Juli fand die Veranstaltung „Fildern Spricht!“ im Garten der Volkshochschule Ostfildern statt. Erster Bürgermeister Andreas Rommel eröffnete die Veranstaltung, an der rund 50 Gäste teilnahmen. In kurzen Impulsen wurden verschiedene Perspektiven auf das Thema Bildung vorgestellt: Svitlana Nestulya vom „Adult Education Center of Poltava Region“ sprach über Bildung als emotionalen Anker, Lenara Solodka und Svitlana Kilber von eins plus b über Bildung als Chance für mehr Teilhabe, Ursula Zitzler und Hatem Alnasri gaben Einblicke in die wichtige Arbeit des Freundeskreis Asyl und Tobias Diemer, Direktor des vhs-Verbands Baden-Württemberg, sprach darüber, welche Prioritäten wir Erwachsenenbildung in Deutschland politisch und gesellschaftlich beimessen.
„Bildung ist ein Schatz, der uns alle weiterbringt“, betonte Svitlana Kilber in ihrem bewegenden Beitrag. Gedolmetscht wurde der Abend von Iryna Yakubenko, die mit großer Souveränität zwischen den Sprachen vermittelte. Beim anschließenden schwäbischen Buffet fand der Austausch in entspannter Atmosphäre seine Fortsetzung. Die ukrainische Delegation bedankte sich mit persönlichen Gastgeschenken bei Andreas Rommel für den Empfang und die Solidarität in dieser schwierigen Zeit.
Projekthintergrund und -ziele
Die Besuchswoche, bei der neben Sightseeing und Kulturprogramm auch die Volkshochschulen Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt mit den jeweiligen Bürgermeistern besucht wurden, war der Abschluss des gemeinsamen Projektes „Bridges/Brücken“, das im November 2024 mit einer Auftaktveranstaltung gestartet hatte und mit einer Workshop-Woche im April 2025 fortgesetzt wurde. Der Deutsche Volkshochschulverband International hatte das Projekt im Rahmen des Urban X-Change Network II koordiniert. Finanziert wurde es vom Auswärtigen Amt.
Das übergeordnete Ziel des Gesamtprojektes war es, durch internationale Städtepartnerschaften und zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit konkrete Lösungen für globale Herausforderungen zu entwickeln. „Im Lauf des Projekts ist mir die immense Bedeutung der zivilgesellschaftlichen Dimension für die internationale Zusammenarbeit bewusst geworden“, sagt Anne Rist, Bridges-Projektleiterin an der vhs Ostfildern. „Insbesondere das Feedback unserer Partnerinnen aus Poltawa hat gezeigt, welchen Stellenwert gemeinsame Bildungsprojekte als Ausdruck von Solidarität haben können. Neben ziviler und militärischer Unterstützung ist es unglaublich wichtig, einander zuzuhören, voneinander zu lernen und gerade in schwierigen Zeiten im Austausch mit seinen Verbündeten zu bleiben.“

