Wer in seiner Jugend mit Problemen kämpft, steht oft alleine da. Besonders dann, wenn es zu Hause nicht läuft, die Schule zur Belastung wird oder der Einstieg ins Berufsleben nicht klappt. Um genau diese Jugendlichen besser zu erreichen, hat der Gemeinderat Ostfildern einstimmig beschlossen, die Mobile Jugendarbeit zu stärken. Ab dem Jahr 2026 wird die bisher 0,7-Stelle beim Kreisjugendring Esslingen e.V. auf eine volle Stelle erweitert. Die Stadt erhöht dafür ihren Zuschuss an den Kreisjugendring um rund 25.000 Euro jährlich.
Die Mobile Jugendarbeit richtet sich vor allem an Jugendliche zwischen 14 und 27 Jahren, die durch klassische Jugendangebote schwer zu erreichen sind. Sie begegnet jungen Menschen dort, wo sie sich aufhalten: auf dem Schulhof, im Stadtteil, an öffentlichen Plätzen. Die Arbeit reicht von Einzelfallhilfen – wie Unterstützung bei Behördenangelegenheiten, Wohnungssuche oder Bewerbungen – bis hin zu Cliquenarbeit, Gruppenprojekten und Gemeinwesenarbeit.
In den letzten Jahren ist der Bedarf deutlich gestiegen. Besonders junge Menschen mit Fluchterfahrung oder schwierigen sozialen Hintergründen brauchen intensive Unterstützung. Gleichzeitig haben Corona-Pandemie, psychische Belastungen und die angespannte wirtschaftliche Lage dazu geführt, dass mehr Jugendliche Orientierung, Halt und konkrete Hilfe suchen.
Ein besonderer Brennpunkt ist dabei der Campus in Nellingen. Immer wieder kommt es dort zu Vorfällen, die das Thema Gewalt und Unsicherheit aufwerfen. Die Mobile Jugendarbeit kann hier deeskalierend wirken – wenn sie mit ausreichend Personal ausgestattet ist. Bisher war das nur eingeschränkt möglich.
Mit der Aufstockung auf 100 % können Beratungszeiten erweitert, regelmäßige Streetwork-Einsätze gewährleistet und wichtige Netzwerkarbeit mit Schulen, Polizei und Jugendämtern intensiviert werden. Auch die verlängerten Öffnungszeiten des Jugendbüros am Herzog-Philipp-Platz – etwa freitags bis Mitternacht – sollen dann wieder durchgängig angeboten werden. Damit schafft Ostfildern bessere Rahmenbedingungen für präventive Jugendarbeit und stellt sich auch im Vergleich mit anderen großen Kreisstädten zukunftsfähig auf.
Jugendbeteiligung Ostfildern – Matthias Hornung
Wir begrüßen die Entscheidung sehr. Gerade Jugendliche mit schwierigen Startbedingungen brauchen jemanden, der verlässlich für sie da ist. Die Mobile Jugendarbeit füllt diese Lücke – nicht nur mit Rat und Tat, sondern mit echter Beziehung. Dass jetzt auf 100 % aufgestockt wird, zeigt, dass Jugendliche in Ostfildern ernst genommen werden. Besonders die langen Öffnungszeiten im Jugendbüro und der Kontakt auf der Straße machen einen Unterschied. Ein guter Schritt für mehr Unterstützung und echte Teilhabe.
Bündnis 90/Die Grünen – Thorsten Hornung
Wenn Gewalt am Campus zur Dauersorge wird, dürfen wir nicht warten, bis es zu spät ist. Die Mobile Jugendarbeit hilft frühzeitig – mit Gesprächen, Präsenz und Angeboten. Deshalb ist die Aufstockung richtig und wichtig. Sie schafft mehr Zeit für Streetwork und gibt dem Team Luft zum Atmen. Ostfildern investiert damit in das, was wirklich zählt: die Sicherheit und das Wohl unserer Kinder und Jugendlichen. Wir Grüne stehen voll hinter dem Beschluss.
SPD-Fraktion – Ünal Yalcin
Jugendliche brauchen Anlaufstellen, besonders wenn sie mit Problemen alleine nicht weiterkommen. Die Mobile Jugendarbeit erreicht genau diese jungen Menschen. In einer Zeit voller Unsicherheiten, wachsender psychischer Belastungen und zunehmender Gewalt ist mehr Unterstützung nötig. Die Aufstockung auf eine volle Stelle sorgt für mehr Präsenz und stabilere Angebote. Das ist kein Luxus, sondern eine Investition in unsere gemeinsame Zukunft. Wir unterstützen die Vorlage aus voller Überzeugung.
Freie Wähler Ostfildern – Markus Dinkelacker
Die Herausforderungen wachsen – psychische Belastungen, Gewalt, Perspektivlosigkeit. Gerade deshalb braucht es starke Sozialarbeit, die nah an den Jugendlichen ist. Die Mobile Jugendarbeit leistet hier Großartiges. Mit der Aufstockung stärken wir diese Arbeit nachhaltig. Es ist ein Schritt in Richtung mehr Prävention, Integration und Halt. Unsere Stadt sendet damit ein klares Signal: Wir kümmern uns. Wir danken den Mitarbeitenden für ihren Einsatz und stehen hinter der Entscheidung.
CDU-Fraktion – Andreas Futterer
Die Aufgaben der Mobilen Jugendarbeit sind heute kaum mehr mit einer 70%-Stelle zu bewältigen. Umso wichtiger, dass wir die Struktur jetzt stabilisieren. Die Arbeit am Campus, die Hilfe für junge Geflüchtete oder die Unterstützung beim Einstieg in Ausbildung – das alles braucht Zeit und Vertrauen. Wir danken dem Team für die bisherige Arbeit und unterstützen die Erhöhung des Zuschusses klar. So bleibt Ostfildern handlungsfähig in einem sensiblen Bereich.
FDP-Fraktion – Joachim Werner
Die Mobile Jugendarbeit schließt Lücken, die sonst offenbleiben. Gerade in einer Zeit voller Krisen brauchen Jugendliche echte Ansprechpartner. Dass Ostfildern jetzt die Stelle auf 100 % aufstockt, ist ein klares Zeichen der Verantwortung. Gewaltprävention, Bewerbungshilfe, einfach mal reden – das alles wirkt, wenn man dafür Zeit hat. Wir danken dem Team und sagen: Ja, das ist gut investiertes Geld. Die FDP stimmt der Vorlage selbstverständlich zu.

