Der Fachkräftemangel im Erziehungsbereich stellt Kommunen deutschlandweit vor große Herausforderungen. In Ostfildern geht die Stadtverwaltung nun einen innovativen Weg: Ein fachbereichsübergreifendes Pilotprojekt soll zugewanderten Menschen den Einstieg in eine Erzieherinnen-Ausbildung erleichtern und langfristig die Fachkräftesituation in den städtischen Kitas verbessern. Ziel ist es, dass die Teilnehmenden am Ende des Projekts die Ausbildungsreife erlangen und eine reguläre Erzieherinnen-Ausbildung beginnen können.
Ein neuer Ansatz zur Fachkräftegewinnung
Statt Personal mit großem Aufwand im Ausland zu rekrutieren, setzt die Stadt Ostfildern auf ein lokales Potenzial: Menschen mit Migrationshintergrund, die bereits in Ostfildern leben und Interesse an einer Ausbildung im Erziehungsbereich haben. Viele von ihnen bringen bereits Vorerfahrungen oder eine pädagogische Ausbildung aus ihrem Herkunftsland mit. Das Projekt zielt darauf ab, diese Personen durch gezielte Unterstützung zur Ausbildungsreife zu führen und sie so als langfristige Fachkräfte für die Kinderbetreuung in Ostfildern zu gewinnen.
Projektstruktur und Inhalte
Die Umsetzung des Projekts erfolgt in Kooperation zwischen mehreren Fachbereichen der Stadtverwaltung, darunter Bildung und Betreuung (FB 2), Soziales und Integration (FB 1) sowie die Volkshochschule Ostfildern (FB 5). Die Teilnehmenden durchlaufen verschiedene Bausteine:
- Praxiseinsatz in den Kitas: Die Teilnehmenden werden bis zu 19 Stunden pro Woche in einer Kindertageseinrichtung eingesetzt, um praktische Erfahrung zu sammeln und den Kita-Alltag kennenzulernen.
- Spracherwerb: Da für die Ausbildung zur Erzieher*in mindestens ein B2-Sprachniveau erforderlich ist, nehmen die Teilnehmenden an Sprachkursen der VHS Ostfildern teil, die gezielt pädagogische Fachsprache vermitteln.
- Begleitende Fortbildung: Durch Workshops und Seminare erhalten die Teilnehmenden grundlegendes pädagogisches Wissen, um sie optimal auf die Ausbildung vorzubereiten.
- Individuelle Anleitung: Die Teilnehmenden werden von erfahrenen Fachkräften begleitet, um sie bestmöglich auf ihre zukünftige Ausbildung und Tätigkeit vorzubereiten.
- Gemeinschaft und Integration: Neben fachlichen Aspekten legt das Projekt großen Wert auf die soziale Integration und den Austausch unter den Teilnehmenden, um den Einstieg in das Berufsleben zu erleichtern.
Breite Unterstützung aus dem Gemeinderat
Das Projekt fand breite Zustimmung im Gemeinderat und wurde am 05.02.2025 einstimmig beschlossen. Die Freien Wähler betonten die Wichtigkeit, aktiv zu handeln, während die SPD das Vorhaben als einen wichtigen Baustein kreativer Lösungen zur Fachkräftegewinnung bezeichnete. Auch die CDU-Fraktion unterstrich die nachhaltige Wirkung des Projekts für Fachkräftegewinnung und Integration. Bündnis 90/Die Grünen begrüßten den Beschluss als weiteren Schritt zur Fachkräfteförderung. Die FDP hob zudem die Bedeutung einer verlässlichen Kinderbetreuung hervor und betonte den positiven Effekt der Integration.
Finanzierung und Umsetzung
Das Projekt ist zunächst für eine Laufzeit von zwei Jahren geplant. Im Jahr 2025 werden dafür insgesamt 66.035 Euro bereitgestellt, während für 2026 weitere 65.805 Euro veranschlagt sind. Diese Mittel decken unter anderem die Personalkosten für die Koordinierung, die Aufwandsentschädigungen der Teilnehmenden sowie die Sprachkurse und Fortbildungen ab.
Ein Teil der Finanzierung wird aus bestehenden Haushaltsmitteln bereitgestellt, zusätzliche Kooperationspartner wie die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter sollen das Projekt unterstützen. Auch nicht-städtische Kita-Träger haben bereits Interesse bekundet und beteiligen sich an der Umsetzung.
Positive Effekte für Stadt und Gesellschaft
Durch das Projekt profitieren sowohl die Teilnehmenden als auch die Stadt Ostfildern:
- Zugewanderte erhalten eine berufliche Perspektive und eine gesicherte Zukunft.
- Die Kinderbetreuungseinrichtungen gewinnen motivierte und engagierte Nachwuchskräfte.
- Die Integration von Zugewanderten wird durch Erwerbstätigkeit und soziale Vernetzung gefördert.
Das Pilotprojekt ist ein vielversprechender Ansatz, um den Fachkräftemangel im Erziehungsbereich zu bekämpfen und gleichzeitig Zugewanderten eine langfristige Perspektive zu bieten. Erste Teilnehmerinnen, vor allem aus der Ukraine, haben bereits Interesse bekundet. Sollten sich die positiven Effekte bestätigen, könnte das Projekt langfristig weitergeführt werden.

